Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
311
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Münzscheine in diesem Sinne sind ein Papiergeld, welches die jeweilsim Besitz des Staates befindliche Wertmenge, die im Begriffe ist, sichdurch eine Reihe von Operationen aus altem Geld in neues Geld zuverwandeln, im Umlauf vertritt. Die Niederlande haben sich bei ihrerMünzreform von 1848 mit gutem Erfolg der Münzscheine bedient.

Außer der vorübergehenden Verminderung des metallischen Geld-umlaufs, welche sich durch die Ausgabe von Münzscheinen ganz oderteilweise hätte ausgleichen lassen, kam noch ein Weiteres in Betracht.

Das Reich hatte die Verpflichtung übernommen, den vorhandenenSilberumlauf, soweit er nicht in Neichssilbermünzen umgeprägt werdenkonnte, nach Maßgabe des Wertverhältnisses von 1 zu 15^2 in Goldgeldeinzulösen, einerlei ob es ihm möglich war, bei der Veräußerung derabzustoßenden Silbermengen für je Pfund Silber 1 Pfuud Goldzu erhalten. Man war nun allgemein davon überzeugt, daß teilweiseinfolge des deutschen Währungswechsels eine erhebliche Wertverringe-rung des Silbers eintreten werde. Der daraus für das Reich entstehendeVerlust mußte gleichfalls auf irgend eine Weise gedeckt werden. Da essich hier nicht um einen vorübergehenden Geldbedarf handelte, sondernum eine definitive Ausgabe, war die Ausgabe sowohl von Schatz-anweisungen als auch von Münzscheinen ausgeschlossen. Der Verlustmußte aus den Überschüssen des Reichshaushalts oder durch die Auf-nahme einer Anleihe gedeckt werden.

Soweit das Reich die hierzu notwendigen Mittel aus dem inlän-dischen Umlauf entnommen hätte, wäre dieser Verlust gleichfalls eineVerminderung der deutscheu metallischen Zirkulation gewesen, und zwar,im Gegensatz zu der soeben besprochenen vorübergehenden, eine dauerndeVerminderung. Der deutsche Geldverkehr hätte sich in ähnlicher Weisehelfen müssen wie im ersteren Fall.

Eine Münzreform birgt also, namentlich wenn sie einen Währuugs-wechsel enthält, die Gefahr einer Kontraktion des Geldumlaufs in sich.

Bei der deutschen Münzreform verkehrte die Milliardenzahlung diesenormalen Verhältnisse geradezu in ihr Gegenteil.

Die Kriegsentschädigung lieferte der Reichsfinanz-Verwaltung dieDeckung sowohl für den durch die Münzreform-Operatiouen verursachtenvorübergehenden Mehrbedarf von flüssigen Geldmitteln, als auch für dieaus dem Umtausch des Silbers gegen Gold zu erwartenden Verluste.Zur Beschaffung eines Betriebsfonds brauchte es nun keine Schatz-