Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
310
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Die Verminderung des Geldbestandes hätte sich zunächst in denKassenvorräten des Reiches zeigen müssen. Während bei der Einlösungder verschiedenen Landesmünzsorten das Publikum Geldstücke gab undGeldstücke zurückerhielt, mußten die mit der Einlösung beauftragten Kassenwohl Geld hinausgeben; die zur Einlösung gebrachten Münzen warenjedoch für die Reichsregierung kein Geld mehr; sie durften nicht mehrausgegeben werden, sondern mußten eingeschmolzen und soweit sienicht zur Ausprägung von Reichssilbermünzm gebraucht werden konntengegen Gold veräußert werden; erst die Ausprägung des so beschafftenGoldes konnte für die Reichskasse neues Geld an Stelle des eingezogenenalten Geldes schaffen.

Um die Reform durchführen zu können, mußte also die Reichs-regierung ihren Bestand an Barmitteln vorübergehend erheblich steigern.

Ein solcher vorübergehender Geldbedarf wird in geeigneter Weisebefriedigt durch die Ausgabe von Schatzanw eisungen mit kürzereroder längerer Laufzeit, je nach der voraussichtlichen Dauer des außer-ordentlichen Geldbedarfs.

Soweit die Schatzanweisuugeu auf dem inländischen Geldmarktuntergebracht werden, entnimmt der Staat die von ihm benötigtenflüssigen Mittel aus dem freien Verkehr. Gelangen die dem Umlaufentzogenen Gelder sofort wieder zur Verausgabung, so entsteht durcheine solche Operation keine Lücke in der Zirkulation. In unserem Fallehätten jedoch die dem Geldmarkt entzogenen Mittel erst nach der voll-ständigen Umwandlung des Geldumlaufs zurückerstattet werdeu können.Der Geldumlauf des Reiches wäre um den vollen Betrag der jeweilsin der Umwandlung begriffenen Geldmenge verringert worden, soweit derStaat nicht durch die Begebung der Schatzanweisungen auf ausländischenMärkten für die Ausfüllung der notwendig entstehenden Lücke Sorge ge-tragen hätte. Im übrigen hätte sich der Geldmarkt selbst helfen müssen,durch eine stärkere Benutzung des dehnbaren Umlaufs ungedeckter Notenoder durch Herbeiziehung von Geld aus dem Ausland vermittelst einerErhöhung der Zinssätze.

In unserem besonderen Falle gab es jedoch neben der Ausgabe vonSchatzauweisungen noch ein anderes Mittel zur Befriedigung des vorüber-gehenden Geldbedarfs, und 'zwar ein Mittel, durch welches sich dievorübergehende Kontraktion des Geldumlaufs mit ihren störenden Wir-kungen auf den Geldmarkt und damit auf das gesamte Wirtschaftslebenhätte vermeiden lassen; nämlich die Ausgabe von Münzscheinen.