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Frankreich seitens der Reichsregierung der sofortige Übergang zur Gold-währung noch nicht ins Auge gefaßt wurde, daß man vielmehr lediglichein Gesetz plante, welches die Ausprägung von goldenen 5- und 10-Thaler-stücken anordnen und dadurch die unmittelbare Umwandlung der ausder Kontribution zu erwartenden Goldeingänge in deutsches Gold ermög-lichen sollte.
Solange man noch nicht den Übergang zur Goldwährung beabsichtigte,konnten noch keine Maßregeln zur Ermöglichung und Erleichterung desWährungswechsels in Betracht gezogen werden.
Anders gestaltete sich die Sache, als sich die Neichsregierung ent-schloß, sofort die Währungsfrage in Angriff zu nehmen und als Endzielder Reform die Goldwährung ins Auge zu fassen. Bereits die Bundes-ratsverhandlungen über den Entwurf des ersten Münzgesetzes, in welchenein allseitiges Einverständnis über die Annahme der Goldwährung zuTage trat, ließeu den Währungswechsel als endgültig beschlossen er-scheinen; noch mehr die Zustimmung der Reichsregierung zu den vomReichstag an dem Gesetzentwurf vorgenommenen Änderungen.
Die leitenden Männer hatten sich schon frühzeitig die zur Durch-führung der Goldwährung notwendigen Maßregeln zurechtgelegt.
In erster Linie kommt hier Camp Hausen in Betracht.
Zwar hatte er als preußischer Fiuauzminister keine amtliche Macht-stellung, welche ihm in offizieller Weise eine weitgehende Mitwirkung inAngelegenheiten der Reichsverwaltung gestattete. Wenn er dennoch in hohemGrade die Durchführung der Münzreform beeinflußte, ja in den wichtigstenPunkten der eigentliche Leiter der Operationen war, so war hauptsächlichsein persönliches Verhältnis zum Präsidenten des Reichskanzleramts dieUrsache. Wenn die beiden Herren manchmal in prinzipiellen Fragen,namentlich wo die Interessen des Reichs und die Interessen Preußens zusammenstießen, verschiedener Ansicht waren und sich lebhaft bekämpften,so hatte das keinen Einfluß auf ihre gegenseitige Hochschätzung.
Gerade in der vorliegenden Frage, wo es sich für die Reichsverwal-tung um eine praktische Bethätigung auf dem Geld- uud Edelmetall-markt handelte, war Delbrück besonders geneigt, den Rat Camphausensanzunehmen. Delbrück hatte eine Beamtenlaufbahn hinter sich, nie hatteer mitten im Geschästsleben gestanden. Camphausen dagegen war Prak-tiker. In der Stellung als Präsident der Seehandlung, welche er vorder Übernahme des preußischen Finanzministeriums bekleidet hatte, warer mit dem Geld- und Edelmetallmarkt in ständiger Fühlung gewesen.