Das mußte ihm eine große Autorität in der vorliegenden, in manchenBeziehungen rein kaufmännischen Frage verleihen. Camphausen selbstwar stolz auf seine praktischen Kenntnisse und Erfahrungen, und erschreckte vor der gewaltige» Aufgabe der Durchführung der Geldreformkeineswegs zurück. Dabei war er sehr wenig geneigt, in diesen Dingensich von anderen Seiten beraten zu lassen, und sein nicht immer freund-schaftliches Verhältnis zu Herrn v. Dechend, das für die Durchführungdes Währungswechsels und für die Einziehung der französischen Kon-tribution nicht gerade förderlich war, erklärt sich hauptsächlich daraus,daß er sich bei Meinungsverschiedenheiten in praktischen Fragen des Geld-und Bankwesens für mindestens ebenso kompetent hielt, wie den Präsi-denten der Preußischen Bank .
Bei den Reichstagsverhandluugen über das erste Münzgesetz warCamphausen der einzige Regieruugsvertreter, welcher einen Plan zurDurchführung der Münzreform durchblicken ließ.
Welcher Art dieser Plan war, konnte man schon aus einigen An-deutungen in der Vorlage und ihrer Begründung entnehmen.
Der Entwurf ordnete die Ausprägung von Goldmünzen an, ohnedie Reichsregierung zur Einziehung von Silbermünzen zu ermächtigen.Auch die Landesgoldmünzen sollten erst beseitigt werden, nachdem derzunächst auszuprägende Betrag von Reichsgoldmünzen in Verkehr ge-bracht worden wäre. Der ursprüngliche Präsidialentwurf hatte, wie wirwissen, nicht einmal die Einziehung von Landesgoldmünzen angeordnet,und der vom Bundesrat formulierte Entwurf zerriß den Znsammenhangzwischen Einziehungen und Ausprägungen vollständig, indem er zwar dieLeitung der Ausprägungen der Reichsregierung zuwies, aber die Besei-tigung des vorhandenen Umlaufs (zunächst der Landesgoldmünzen) denEinzelstaaten übertrug.
In den Motiven hieß es:
„Der Übergangszustand wird seinen Abschluß finden, sobald derVerkehr mit der für die Durchführung des neuen Systems nötigen Mengevon Goldmünzen erfüllt ist. Es wird dann der Zeitpunkt gekommensein, im gesetzlichen Wege die Bestimmungen über die Einziehung dergroben Silbermünzen zu treffen und die Münzreform zum Abschluß zubringen."
Alle diese Andentungen konnten keinen Zweifel daran bestehen lassen,daß es wirklich die Absicht der Regierung war, zunächst soviel wie mög-lich Goldmünzen auszuprägen und in Verkehr zu setzen, ohne die