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entsprechende Menge von Silbermünzen aus dem Verkehr zu ziehen.Die Regierung war also wirklich auf dem Wege, den Fehler im vollenUmfang zu begehen, dessen Vermeidung für die glatte Durchführung derReform die erste Notwendigkeit war.
Im Reichstag wurde der iu der Vorlage angedeutete Operations-plan — wenn man die zweckwidrige Zerstörung des Zusammenhangszwischen Goldbeschaffung und -Ausmünzung und der Silbereinziehungüberhaupt einen Plan nennen kann — scharf und treffend kritisiert.
Gegen die Überlassung der Einziehung des vorhandenen Münz-umlaufs an die Einzelstaaten wehrte sich bereits die reichsdeutsche Ge-sinnung der Neichstagsmehrheit. In diesem Punkt lag gleichzeitig derschwerste Fehler des Planes zur Durchführung der Reform. Camp-hausens Ausführungen bei der ersten Lesung des Gesetzes, betreffend dieAusprägung von Reichsgoldmünzen, ergänzten die von den meisten über-seheneu Andeutungen des Gesetzentwurfs in einer Weise, welche jeder-mann, der sich um die Geldreform kümmerte, klar zeigen mußte, daß hiernicht nur eine politische und staatsrechtliche Frage zur Entscheidung stand,sondern daß es sich außerdem um eine der ersten Voraussetzungen fürdie Durchführung der geplanten Reform handelte.
Am schärfsten kam der Camphausensche Plan zum Ausdruck bei derErörterung über die Deckung der aus der Silberabstoßung zu erwarten-den Verluste. Bam berger sprach deu Wunsch aus, die Reichsregierungmöge sich zur Deckung dieser Verluste eiuen umfangreichen Kredit be-willigen lassen. Darauf erwiederte Camphaufen, die Neichsregierungkönne einen solchen Kredit nicht beanspruchen, da es nach der Auffassungder verbündeten Regierungen Sache jedes Einzelstaates sei, die Münzen,„die von ihm in Zirkulation gesetzt sind, auch auf feine Kosten herauszu-ziehen". Der Verlust bei der Silberveräußerung sei demgemäß von denEinzelstaaten zu tragen, und ob zur Deckung dieses Verlustes bei denPartikularlandtagen ein Kredit werde in Anspruch genommen werden,das wolle er in diesem Augenblick dahingestellt sein lassen.
Der absurde Gedanke, die Durchführung der Geldreform in einemsolchen Umfang von der Mitwirkung der Einzelregierungen uud derPartikularlaudtage abhängig zu machen, rief den schärfsten Widerspruchwach. Die Beschlüsse des Reichstags machte» die ganze Durchführungder Reform zu einer Angelegenheit des Reichs. Damit war wenigstensdie Möglichkeit einer Verknüpfung von Goldbeschaffung und Silber-
Helsserich, Geschichte der Geldreform. 21