Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
323
Einzelbild herunterladen
 

323

Münzreform zeigt, hielt er das Spiel für gewonnen, ehe es noch rechtangefangen hatte.

Auch Michaelis sah nicht ganz klar. Anch für ihn war diemöglichst umfangreiche Goldausmünzung der Kernpunkt der Reform. Zuwiederholte» Malen vertrat er die Auffassung, man könne die Gold-ausmünzung nicht von der Silbereinziehung abhangig machen, ohne dasganze Reformwerk ins Stocken zu bringen; denn die Silbereinziehungsei ihrerseits abhängig von der Möglichkeit der Silberveränßerung; auf-speichern könne man das Silber nicht wegen der großen Zinsverluste.

So mangelhaft war also die Erkenntnis der Notwendigkeit derfrühzeitigen Silbereinziehung, daß die Vermeidung von Zinsverlusten aneingezogenem Silber, dessen Veräußerung erst nach einiger Zeit hätte er-folgen können, als ein Hauptgesichtspunkt für die Leitung der Operationenproklamiert werden konnte.

Um diesen fiskalischen Rücksichten die Spitze abzubrechen, schlugBamberger bei der Beratung des Münzgesetzes die Ausgabe vonMünzscheinen vor. Der Reichskanzler sollte ermächtigt werden, gegeneingezogene Silbervorräte, die noch nicht zur Verwertung, oder gegenGoldvorräte, die noch nicht zur Ausprägung gekommen seien, Reichs-münzscheine, auf mindestens 100 Mark lautend, auszugeben. Im Verlausder Silberveräußerung und der Goldausmünzung sollten die Münzscheinegegen Goldmünzen eingezogen werden.

Wäre dieser Antrag angenommen worden, so hätte das Reich allesüberflüssige Silber in der kürzesten Zeit aus dem Verkehr ziehen können,ohne einen Zinsverlust befürchten zu müssen. Nur der definitive Verlust,welcher aus den Silberverkäufen zu erwarten war, hätte bei der Aus-gabe von Münzscheinen von Anfang an in Betracht gezogen werdenmüssen; denn natürlich durften für das eingezogene Silber keine größerenSummen von auf Gold lautenden Münzscheinen ausgegeben werden, alsdem zu erwarteuden Verkaufserlös des Silbers entsprach.

Die Münzscheine hätten andererseits, da sie entweder durch Gold,das sich noch im Prägeprozeß befand, oder durch Silber, dessen Ver-äußerung gegen Gold in absehbarer Zeit erfolgen mußte, gedeckt waren,ein durchaus sicheres Papiergeld iu der Art metallisch voll gedeckter Bank-noten dargestellt,

Sie hätten ferner der Reichsregiernng den doppelten Vorteil gewährt,die Ungewißheit über die abzustoßende Silbermenge, welche wie wirspäter sehen werden die Operationen sehr nachteilig beeinflußte, von

21*