Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Anfang an zu beseitigen; außerdem hätte die Silbereiuziehung gegenAusgabe von Münzscheinen der Reichsregierung jederzeit zur Veräuße-rung bereite Silberbestäude zur Verfügung gestellt, welche die schlag-fertige Benutzung jeder günstigen Konjunktur des Silbermarktes ermög-licht hätte.

Aber der Antrag Bambergers fand weder den Beifall der Reichs-regierung noch des Reichstags. Die allgemeine Abneigung gegen jedesPapiergeld richtete sich auch gegeu die Münzscheine, obwohl diese dochnur als Certifikate für im Besitz des Reiches befindliche Metallbeständegedacht waren. Bamberger zog seinen Antrag als aussichtslos zurück.

So blieb die Gefährdung der Münzreform durch fiskalische Rück-sichten bestehen.

Der große Fehler, welcher die Milliardenzahlung für die Münz-reform unfruchtbar machen mußte, war durch die Grundsätze, welche dieRegierung bei der Durchführung der Reform befolgen wollte, wederbegangen noch vermieden. Der Operationsplan der Reichsregierungbeschränkte sich im wesentlichen auf die Festsetzung der Reihenfolge,in welcher die einzelnen umlaufenden Münzsorten eingezogen werdensollten: zuerst die am schlechtesten in das Marksvstem passenden, zuletztdie Kurantmllnzen des 30 Thalerfußes. Außerdem war der Hauptgesichts-punkt die möglichste Beschleunigung der Goldprägungen. Dagegen warder Zusammenhang zwischen der Silbereinziehung einerseits, dem Umfangder Goldansmüuznng und dem Termin des Eingangs der Kriegs-entschädigung andererseits in dem Plan der Reichsregierung offen gelassen.

Bezüglich dieser wichtigsten Frage war der Schwerpunkt in die Ent-scheidungen von Fall zu Fall verlegt.

Dritter Abschnitt.

Die zur Umwandlung des Münzumlaufs geschaffene Organisation.

Das Reichskanzleramt, jene Verwaltungsbehörde, welche die meistenunserer heutigen Reichsämter in sich schloß, welche gleichzeitig dasMinisterium des Innern, das Handelsministerium, Justiz- und Finanz-ministerium des Reiches war, sah sich durch den Währungswechsel einerfast ausschließlich kaufmännischen Ausgabe von den größten Dimen-