Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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sionen gegenübergestellt. Durch die Notwendigkeit des Austausches desdeutscheil Münzsilbers gegen Gold wurde es genötigt, den Edelmetall-handel im größten Umfang zu treiben, ohne daß es zur Bewältigungdieses Riesengeschäftes einen organisierten Apparat zur Verfugung ge-habt hätte.

Das Neichskanzleramt hatte nicht nur das aus den Einschmelzuugenhervorgehende Barrensilber gegen Gold zu verkaufen, es hatte außerdemdie Aufgabe, Gold zu beschaffen aus den in Wechseln, Baukauweisungenund fremden Silbermünzeu bestehenden Eingängen der Kriegsentschädigung.

Hier war der Punkt, in welchem eine Centralbank die erheblichstenDienste hätte leisten können. Einer Neichsbank hätte das Reichskanzler-amt alle kaufmännischen Operationen ohne weiteres übertragen können,im Bewußtsein, daß sie von ihr in einer den Interessen des Reichesentsprechenden Weise ausgeführt werden würden.

Abgesehen von der Goldbeschaffung aus den Eingängen der Kon-tribution und den Erlösen der Silberverkäufe hätte eine Reichsbank beidem durch die französischen Zahlungen herbeigeführten günstigen Standeder auswärtigen Wechselkurse durch Normierung eines Ankaufspreisesvon Gold in Barren und fremden Sorten große Beträge dieses Metallesan sich ziehen können; durch die Ausgabe von Noten, deren Deckung indiesen Goldvorräten bestanden hätte, wäre dieses Gold für den deutschenVerkehr verfügbar geworden.

Aber die Schaffung einer Reichsbank, welche das Reichskanzleramtschon im Jahre 1872 anstrebte, stieß auf die bekannten Schwierigkeiten,welche erst überwunden wnrdeu, als die Durchführung der Münzreformbereits im vollen Gange war.

Der Übertragung der erwähnten Geschäfte an die Preußische Bank ,welche ja damals schon unbedingt zur Reichsbank prädestiniert erschien,standen offenbar starke Hindernisse entgegen, über deren Wesen wir aufVermutungen angewiesen sind. Offenbar war Camphausen der Meinung,von den hier in Betracht kommenden Geschäften genug zu verstehen, umauf die Mitwirkung der Preußischen Bank verzichten zu können. That-sache ist, daß die Preußische Bank seitens der Reichsverwaltung anfänglichweder an der Realisation der Kontributious-Eiugänge, noch an derDurchführung der Münzreform beteiligt morden ist.

Die Neichsverwaltuug bediente sich vielmehr zur Durchführung dernotwendigen Operationen zweier Privatinstitute. Die Silberverkäufe