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übertrug sie der Deutschen Bauk. Die Goldbeschaffuug erfolgte zumgrößte» Teil durch die London Joint Stock Bank,
Für die Goldbeschaffuug bediente sich die Neichsregierung desLondoner Hauses, da sie für die Goldbezüge fast ausschließlich auf denLondoner Markt angewiesen war.
Für die Verwertung des Silbers kam London wohl auch über-wiegend, aber doch nicht in dem Maße in Betracht wie für die Gold-beschaffung. Außer der Möglichkeit von Verkäufen auf dem HamburgerMarkt und nach Österreich war hier der Umstand bestimmend, daßdamals von selten des deutschen Handels der direkte Absatz von Silbernach dem Osten ins Auge gefaßt wnrde. Man hoffte, auf diesem Wegeden deutscheu Haudel mit Asien einigermaßen von England emancipierenzu können, ein Bestreben, welches damals überall zu Tage trat, und indessen Dienst sich namentlich die Deutsche Bank stellte, indem sie zahlreicheFilialen in Ländern errichtete, die bisher keine deutsche Bankniederlassunggesehen hatten. Die Neichsregierung hatte für diese Bestrebungen sehrviel Wohlwollen; die Absicht, sie zu fördern, mag bei der Übertragungder Silberverkänfe an die Deutsche Bank mitgewirkt haben.
Schon die Verteilung der beiden wesentlichsten Operationen derMünzreform auf zwei verschiedene Bankhäuser machte es der Reichs-regierung unmöglich, sich auf die allgemeine Leitung der Operationenzu beschränken. Sie mußte die Durchführung sowohl der Goldankäufeals auch der Silberverkäufe vollkommen in der Hand behalten undkonnte ein selbständiges Vorgehen der beiden Banken, wenn nicht allerZusammenhang zwischen ihren Operationen zerrissen werden sollte, nurinnerhalb enger Grenzen gestatten.
Das Verhältnis der beiden Banken zum Neichskanzleramt wurde inder Weise geregelt, daß im allgemeinen jeder einzelne Goldankanf aufdem Londoner Markt und jeder einzelne Silberverkauf nur auf An-ordnung oder mit Zustimmung des Reichskanzleramtes abgeschlossenwurde. Die beiden Banken hatten die Aufgabe, der Neichsverwaltuugjede günstige Konjnnktur zu signalisieren, uud das Reichskanzleramt gabden Auftrag, diese Konjnnktur in der einen oder andern Weise zu be-nutze». Auf der andern Seite machte das Neichskanzleramt den beidenBanken Mitteilung, wenn es Gold zu Prägezwecken benötigte oder wennes eingeschmolzenes Silber bereit liegen hatte.
Hinsichtlich der Silberverkäufe wurde der Deutschen Bank in Zeiteneines verhältnismäßig ruhigen Silbermarktes dadurch eine größere Selb -