Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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ständigkeit gegeben, daß ein Mindestpreis festgesetzt wurde, zu welchemdie Bank das ihr überwiesene Silber verkaufen konnte, ohne im einzelnenFall die Zustimmung des Reichskanzleramtes einzuholen.

Wie aus den Nachweisungen über die Silberverkäufe hervorgeht,wurde das in Deutschland verkaufte Silber zum größten Teil bar andie Reichshauptkasse bezahlt. Der Erlös aus den außerhalb Deutschlands erfolgenden Verkäufen wurde ganz überwiegend in Tratten auf London realisiert.

Diese Tratten wurden teilweise direkt zur Goldbeschaffung ver-wendet, teilweise wurden sie auf der Berliner Börse verkauft; zumgrößten Teil wurden sie, ebenso wie die von Frankreich auf die Kon-tribution in Zahlung gegebenen Wechsel auf England , zur Einzahlungauf das bei der Loudon Joint Stock Bank gehaltene Reichsguthabenverwendet, aus dessen Mitteln diese Bank, je nach dem Bedarf desReichs an Prägegold und je nach der Lage des Londoner Marktes, dieBeschaffung von Gold vornahm.

Das war die Organisation, vermittelst welcher die Reichsverwaltungdas Riesenwerk der Umwandlung des deutschen Münzumlauss in Angriffnahm. Ihr Fehler lag hauptsächlich darin, daß die Neichsverwaltungmehr, als ihrer Znsammensetzung und ihrer Arbeitskraft entsprach, durchdie kaufmännisch-technischen Einzelheiten der notwendigen Operationen inAnspruch genommen wurde, ein Fehler, der ohne die weitgehende Mit-wirkung einer Reichsbank nicht zu vermeiden war.

Die Tragweite dieses Mangels erscheint um so bedeutender, wennman sich erinnert, welche großen Aufgaben damals gerade die Reichs-finanzverwaltung, die im wesentlichen nur durch Michaölis repräsentiertwurde, zu bewältigen hatte. Man denke nur an die Organisation derganzen Reichsfinanzwirtschaft und an die Übernahme, Verteilung undVerwendung der Kriegskosten-Entschädigung!

Für Del brück, den Präsidenten des Reichskanzleramtes, in dessenHänden die Leitung der gesamten wirtschaftlichen Gesetzgebung und derganzen Verwaltungsthätigkeit des jungen Reiches lag, war es trotz seinerenormen Arbeitskraft eine völlige Unmöglichkeit, sich eingehend mit derLeitung der zur Durchführung der Münzreform nötigen Operationen zubefassen.

In Anbetracht dieser Verhältnisse, welche die sachgemäße Durch-führung der Reform erheblich gefährdeten, sprach Bamberger bei derersten Lesung des Münzgesetzes den Wunsch aus, die Reichsregierung