Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Ein Golduinlauf konnte die Einschränkung des vorhandenen Papier -umlanfs nicht von selbst bewirken; er war nur die notwendige Voraus-setzung für eines der wichtigsten Einschränkungsmittel, für ein Verbotder kleinen Zettel. Ist es unter diesen Verhältnissen nicht die reineIronie, daß die Staatspapierscheine bis Ende 1875 umlaufen durften,und daß sie dann für die längere Zeit in fast ungeschmälertem Betragals Reichskassenscheine erhalten wurden; daß die kleinen Notenabschnittegleichfalls bis zur zweiten Hälfte des Jahres 1875 unangetastet blieben;daß also während der ersten kostbaren Jahre nach dem Beginn der Gold-prägungen, keine Veränderung des Papierumlaufs herbeigeführt wurde,und zwar, wie wir wissen, nicht zum geringsten Teil durch die Schuldder Hartnäckigkeit, mit welcher Camphausen seinen preußisch-partiku-laristischen Staudpunkt bei den Buudesratsverhandluugen über die Papier-geld- und Bankgesetzgebung festhielt!

Aber von all dem abgesehen: Es traf nicht einmal die erste Vor-aussetzung für die von Camphausen erwartete Verdrängung vonpapiernen Zirkulationsmitteln durch den ueucn Goldumlauf zu, deuu inden ersten Jahren der Reform gab es zwar starke Goldbestände, aberkeinen Gold nm lau f.

Von den Goldprägnugen wuroeu 120 Millionen Mark im Julius-turm als Kriegsschatz niedergelegt; dafür blieben die 90 Millionen MarkSilbergeld des ehemaligen preußischen Kriegsschatzes im freien Umlauf.Die Neichshauptkasse hatte große Goldbestände, aber da man für dieÜbergangszeit keinen Export von Reichsgoldmünzen ermöglichen odererleichtern wollte, hielt sie diese Goldbestände fest und zahlte in Silber.Die Banken, allen voran die Preußische Bank , füllten ihre Kassen mitden neuen Reichsgoldmünzen und gaben ihre umfangreichen Silbervorräteau den freien Verkehr ab. Die nächste Folge der großen Goldaus-münzungen war also, daß der freie Geldumlauf Deutschlands mehr vonSilbergeld erfüllt war als je zuvor, währeud ihm das Gold, das diekleinen Zettel überflüssig machen und verdrängen sollte, vorenthalten blieb.

An eine von selbst eintretende Verminderung des Papierumlaufswar unter diesen Verhältnissen nicht zu deukeu und die Notwendig-keit einer Verminderung des Silberumlaufs blieb in vollem Umfangmindestens so lange bestehen, bis wirksame gesetzliche Maßregeln zurEinschränkung der Papierzirkulatiou ergriffen wurden.