Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Die Beschleunigung der Silbereinziehung war nicht nur in Rücksichtauf den deutschen Goldumlauf geboten, sondern auch in Rücksicht aufdie erwartete ungünstige Gestaltung des Silbermarktes,

Aber auch in der drohenden Silberentwertnng sah Camphausenkeinen Grund zu einer Beschleunigung der Silbereinziehung und -Ver-äußerung, denn er glaubte nicht an eine wesentliche Störung desSilberwertes.

Was spricht dafür," sagte er im November 1871,daß diesesVerhältnis (die Relation von 1: 15^) nicht allzusehr alteriert werdenmöchte? Dafür spricht einmal, daß in diesem Augcublick Deutschland bereits in den? Besitz einer ansehnlichen Menge von Goldmünzen uudGoldbarren sich befindet, daß ferner, abgesehen von diesem Besitze, unseredeutschen Banken nicht so sorglos in den Tag hineingelebt haben, umsich nicht zu vergegenwärtigen, daß sie (die Banken?) später von derSilberwährung zur Goldwährung übergehen müssen, in der That habensie, wie mir sehr wohl bekannt ist, auch schon darauf Bedacht genommen,sich in den Besitz von Goldbarren zu setzen; und ferner der gefährlicheAusgleichungsprozeß, welchen der Herr Vorredner (Bamberger) in Aus-sicht gestellt hat mit seiner drastischen Frage: Wohin mit dem Silber?Dieser Prozeß soll nicht erst beginnen, er hat schon begonnen;Deutschland hat schon jetzt darauf Bedacht genommen, sicheines Quantums von Silberbarren zu entledigen."

Es ist zunächst der thatsächliche Inhalt dieser auffallenden Bemerkungklarzustellen.

Das Reich hat nach den im Reichsschatzamt aufgestellten Nach-weisungen über die Silberverkäufe ^ seinen ersten Silberverkauf im Herbst1873 abgeschlossen, hat sich also nicht bereits vor der Beratung desMünzgesetzes von 1871 eines Quantums von Barrensilber entledigt.

Da man im Bundesrat die Silberabstoßung zu einer Angelegenheitder Einzelstaaten machen wollte, liegt der Gedanke nahe, daß der vonCamphausen erwähnte Verkauf vom Königreich Preußen vorgenommenworden sein könnte. Eine Nachfrage beim preußischen Finanzministeriumhat jedoch ergeben, daß seitens der preußischen Finanzverwaltung keinSilber verkauft worden ist.

Dagegen hat die Preußische Bank bereits im September 1871eine Silbermenge von 222.728^/s Pfund fein im Werte von mehr als

i Veröffentlicht in den Beiträgen S. 308 ff.