Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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der einen Voraussetzling richtig gewesen, wenn die Banken das Verhältniszwischen ihren Silbervorräten nnd Goldbeständen durch die Bedürfnissedes freien Verkehrs hätten regulieren lassen. Aber diese Voraussetzungtraf uicht zu, denn die Banken bemühten sich Gold anzusammeln, weigertensich iu Gold zu zahlm und suchten soviel wie möglich von ihren Silber-vorräten in den Verkehr zu bringen, der bei allein Überfluß au Silbergeldund allem Alangel an Goldgeld gegen die Praxis der Notenbanken ohnmächtigwar, solange dieselben nicht verpflichtet waren, in Gold zu zahlen. Wiesich in unserer Zeit bei der Valutaregulierung in Österreich-Ungarn dasumgeprägte Gold zunächst in den Kellern der Banken angesammelt, sichdort an die Stelle der Silberbestände 'gesetzt und die Silbergulden ausden Baukgewölbeu in den Verkehr hinausgeschoben hat, ebenso vollzogsich damals die Entwickelung in Deutschland .

Die kleinen Silberbestände, welche im Spätjahr l874 iu den deutschen Banken lagen, bemiesen deshalb nicht, daß der deutsche Silbergeld-Bestandkleiner war, als man bis dahin angenommen hatte, sondern nur, daß derfreie Silberumlanf außer durch die 30 Millionen Thaler des auf-gehobenen preußischen Kriegsschatzes anch noch um den größten Teildes früheren Silbcrvorrats der Banken vermehrt worden war.

Neben den falschen Hoffnungen über die künftige Gestaltung desSilbermarktcs und neben der Verkeuuung der Lage, iu welcher sich dasdeutsche Geldwesen befand, trug zur Verzögerung der Silbereinziehuugzum Teil anch ein gewisser passiver Widerstand Süddeutschlands bei.

Für die Staaten der Guldenwähruug war das Stadium des Über-gangs dadurch unangenehm, daß die Münzeu des ueuen Systems zn derGnldcnwährung nicht in einem sehr einfachen Verhältnisse standen. Eheman den Übergang zur Markrechnung ausführen konnte, mußte der Um-lauf mit den Münzen des neuen Systems, namentlich mit den kleinenStücken ausreichend versehen sein. Denn nach Mark rechnen und mitGulden zu t°/? Mark, oder mit Kreuzern zu 2°/? Pfennig zahlen, wareine Unmöglichkeit.

Andrerseits war es nicht viel erträglicher, bei der Guldenrechnungzu bleiben uud allmählich au Stelle eines Guldeuumlaufs die Münzendes neueu Systems zu erhalten.

Es mußte im Interesse der Guldenstaaten selbst liegen, diesen un-bequemen Übergangszustaud möglichst abzukürzen, energisch mit der Gulden-einziehung vorzugehen und möglichst rasch die Markrechnung einzuführen.