Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Außer der übertriebenen Rücksicht auf die Lage des Silbermarktswar noch eine Reihe anderer Umstände bestimmend für die Verschleppungder Silbereinziehung.

Vor allem die Ansicht, daß es nicht notwendig sein werde, sovielSilber, wie allgemein angenommen wurde, aus dem Verkehr zu ziehen.

Diese Auffassung wurde hauptsächlich von Camphausen vertreten.

Bei der ersten Lesung des Neichskassenschein-Gesetzes (am 2g. März1874) betonte er, es bestehe durchaus keine Notwendigkeit, schon baldgroße Summen Silbergeld einziehe» und verkaufen zu müssen,lindwir werden auch schließlich, wie ich glaube", fügte er hinzn,dnrchansnicht in der Lage sein, außerordentlich große Masse» von Silbergeldeinzuziehen und zum Verkauf bringen zu müssen". Er ließ durchblicken,daß zur Durchführung der Goldwährung eine starke Verminderungdes Papiergeld- und Banknotenumlaufs und die Ersetzung der weg-fallenden papiernen Geldzeichen durch einen Goldumlauf in der Haupt-sache ausreichen werde.

Im November 1874 schätzte er den noch vorhandenen Silberuinlaufauf nur 300 Millionen Thaler; die Schätzungen auf 400 bis 500 Mil-lioueu Thaler seien übertrieben. Seine niedrige Schätzung gründete erauf die Thatsache , daß damals die Silberbestände der Banken außer-ordentlich klein waren.

Nach seinen Mitteilungen besaßen die preußischen Zettelbanken alleindamals einen Goldvorrat von mehr als 175 Millionen Thaler. Bei derPreußischen Bank , der Frankfurter uud der Hannoverschen Bank betrngder Silberbestand gleichzeitig nur 36.717,000 Thaler, nur ein Viertelihres Bestandes an gemünztem Gold. Das gleiche Verhältnis zwischenGold- nnd Silbervorrat bei sämtlichen deutschen Zettelbanken ^ an-genommen, ergebe sich für den September bei einem Barvorrat von283.433.000 Thaler ein Silberbestand von nur 56-57 Millionen Thaler

Alis diesem verhältnismäßig geringen Silbervorrat folgerte Cain-hausen, der gesamte deutsche Silbervorrat müsse über Erwarten geringfein, uild der Verkehr werde nicht sehr viel voll dem vorhandenen Silber-geld entbehreil können.

Dieser Schluß war jedoch durchaus verkehrt. Er wäre nur unter

1 Außer der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank, deren Barvorrat nichtbekannt war.

2 Der Sten. Bericht verzeichnet 4647 Millionen Thaler. Druck- oder Rechen-fehler?