Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Reinerlös von nicht ganz 30 Millionen Mark beliefen ^, standen in keinemVerhältnis weder zu der ausnahmsweise» Gnnst der Verhältnisse nochzu der gewaltigen Silbermenge, welche veräußert werden mußte.

Als um die Mitte des Jahres 1874 mit dem Nachlassen der in-dischen Silberuachfrage wieder ein scharfer Rückgang des Silberpreiseseintrat, hörte die Reichsregierung mit ihren Verkäufen völlig auf. Erst imOktober wurde wieder mit der Silberveränßerung begonnen; namentlichnach Indien wurden größere Posten verkauft.

Am Schluß des Jahres 1874 wurden die Silberverkäufe wegen dermatten Haltung des Marktes abermals unterbrochen, diesesmal für volleacht Monate. Bis zu diesem Augenblick waren erst etwa 810.000 PfundFeinsilber mit einein Erlös von etwas über 70 Millionen Mark verkauft,kaum der vierzehnte Teil der Silbermenge, welche nach den niedrigstender vor dem Beginn der Reform aufgestellten Schätzungen abzustoßenwar! Erst im September 1875, als sich die Verhältnisse etwas günstigergestaltet hatten, wurden die Verkäufe wieder aufgenommen.

Wir sehen daraus, wie ängstlich die Reichsregierung jeden Druckauf den Silbermarkt bei ungünstigen Verhältnissen vermied, und wie sieandererseits günstige Konjunkturen nur mit der äußersten Zurückhaltungund Vorsicht benutzte.

Das Ergebnis, welches die Reichsregierung durch diese Rücksicht aufdie Aufnahmefähigkeit des Silbermarktes erzielte, war, daß sie für dasverkaufte Silber die denkbar günstigsten Preise erhielt; das wurde all-gemein anerkannt, und die Regierung selbst war nicht wenig stolz aufdiesen Erfolg.

Aber es wurde bei verschiedenen Anlässen mit vollem Recht scharfkritisiert, daß die Regierung Verkaussgelegenheiten versäumte, wenn sieglaubte, durch ihre Zurückhaltung für ein kleineres Silberquantum einenum wenige Tauseudteile günstigeren Preis zu erzielen. Es wurde immerwieder betont, daß eine Ersparnis selbst von Millionen nicht die Nachteile undGefahren aufwiegen könne, welche aus einer Verlängerung des kritischenÜbergangsstadiums entstehen mußten. Bei den ungünstigen Aussichtenfür den Silberpreis war die Zurückhaltung der Reichsregierung nichteinmal rein fiskalisch gerechtfertigt. Die Vermeidung eines augenblick-lichen kleinen Verlustes ist keiue Ersparnis mehr, wenn sie einen späterenunverhältnismäßig größereu Verlust herbeiführt.

> Siehe Beiträge S. 309.