Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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nämlich die Verminderung des Thalerumlaufs aus einen ungefährlichenUmfang,mit aller erdenkliche» Anstrengung" betrieben werden müßten.

Um die gleiche Zeit tagte in Eisennach ein Kongreß des Vereinsfür Socialpolitik. Nasse referierte über die Valutakrisis. Seine Vor-schläge unterschieden sich von denen Bambergers dadurch, daß sie dieThaler wohl zu Scheidemünzen machen, sie aber doch den Reichssilber-münzen nicht ganz gleichstellen wollten. Statt für Beträge bis zu20 Mark sollten sie bis zu 100 Mark gesetzliches Zahlungsmittel sein.Die Verpflichtung des Reichs, die Thaler ebenso wie die Reichssilber-münzen auf Verlangen gegen Gold einzuwechseln, verlangte Nasse ebensowie Bamberger.

Außerdem schlug Nasse vor, der Reichsbank sollten vom ReichThaler bis zu einem die Hälfte ihres Barvorrats nicht übersteigendenBetrag als vorläufige Notendeckung überwiesen werden, und zwar unterausdrücklicher Garantie des Reichs für ihren Goldwert.

Die Reichsregierung zeigte sich geneigt, ans den Grundgedanken dieserVorschläge einzugehen.

Im Dezember 1875 legte sie dem Reichstag einen Gesetzentwurf vor,welcher dem Bundesrat die Ermächtigung erteilte, die Einthalerstückedeutschen und österreichischen Gepräges den Reichssilbermünzen gleichzu-stellen. Der Entwurf fand im Reichstag keinen Widerspruch, vielmehrkam allgemein der Wunsch zum Ausdruck, die Regierung mochte von dervon ihr verlangten Ermächtigung möglichst bald Gebrauch machen.

Camphausen führte das Wort für die Reichsregierung und schildertedie Lage des Reformwerkes so glänzend wie möglich. Er hob insbesonderedie Thatsache hervor, daß Ende September 1875 in den Beständen allerZettelbanken, außer der Preußischen Bank , nur wenig über 6 MillionenThaler an Thalergeld lagen, sprach von denWünschen des Publikumsuach hartein Silbergeld", welchen diese Banken nach Einziehung der kleinenNotenabschnitte genügen müßten, und machte schließlich auf die durch dieAußerkurssetzung des Guldengeldes entstehendeLücke" aufmerksam, welchenach seiner Schätzung durch die 6 Millionen Silberthaler der Privat-notenbanken nur zur Hälfte ausgefüllt werden könne. Camphausenglaubte also immer noch, man werde keine großen Silbermengen mehrzu verkaufen haben; auf Grund dieses schweren Irrtums sprach er dasWort von derwahrhaft spielenden" Durchführung der Münzreform,und er gab die tröstliche Versicherung, wenn nicht mit der Beschränkungder Zahlungskraft der Thaler notwendigerweise für das Reich die Ver-