Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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in Thalern zugeflossen; in derselben Zeit hat die Reichsbank 385 Mil-lionen Mark in Reichsgoldmünzen an den freien Verkehr abgegeben.Während sich dadurch in den Kassen der Neichsbank der Silbervorrat aufKosten des Goldvorrats erheblich vergrößerte, änderte sich vom 30. Sep-tember 1876' bis zum 31. Oktober 1877 das durch die jährlichen En-queten festgestellte Verhältnis zwischen Thalern und Neichsgoldmünzenin den öffentlichen Kassen von 100 : 450 auf 100 : 810.

Die fortwährende Entziehung von Goldmünzen gegen Silbergeld,welcher die Reichsbank ausgesetzt war, mußte, sobald der Reichsbanknicht ein genügender Ersatz für das an den freien Umlauf abgegebeneGold zugeführt wurde, Gefahren für die Sicherheit des deutschen Geld-wesens heraufbeschwören.

Die Preußische Bank hatte die Goldzahlungen unter den günstigstenBedingungen aufgenommen. Am 7. Juli 1875 befanden sich in ihrenKassen 495 Millionen Mark in Gold und nur 89,3 Millionen Mark anThalern und Scheidemünzen. Ferner traf die Aufnahme der Gold-zahlungen mit dem Beginn einer für Deutschland günstigen Veränderungder auswärtigen Wechselkurse und eiuem beträchtlichen Zufluß von Goldzusammen; der Preußischen Bank floß bis zum Ende des Jahres 1875Gold in Barren und Sorten im Betrag von etwa 80 Millionen Markzu Gleichwohl erfuhr ihr Goldbestand in der zweiten Hälfte des Jahres1875 eine erhebliche Verringerung.

Nach dem Beginn des Jahres 1876 gestaltete sich die Lage bedroh-licher. Es zeigte sich, daß die akute Kontraktion, welche der deutscheGeldumlauf in: zweiten Halbjahr 1875 erfahren hatte, die Reaktion aufdie Milliardenzahlung nicht abgeschlossen, sondern nur vorübergehendunterbrochen hatte. Als nun der deutsche Geldumlauf nach der Besei-tigung der kleinen Notenabschnitte abermals durch einen großen Über-schuß der Ausprägungen über die Einziehungen ^ eine beträchtliche Ver-mehrung erfuhr, begannen die auswärtigen Wechselkurse abermals zusinken, und ein neuer Goldabfluß, namentlich nach England , begann. Dieungünstige Haltung der Wechselkurse blieb mit kurzen Unterbrechungenbis in die zweite Hälfte des Jahres 1879 bestehen; namentlich zogenFrankreich und Belgien während des Jahres 1877 und England währendder zweiten Hälfte des Jahres 1878 große Beträge von Gold aus Deutsch-land an sich.

! Siehe Beiträge S. 245.^ Siehe Beiträge S. 393.