Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
421
Einzelbild herunterladen
 

Durchschnitt des Jahres 1867 nur noch 60°/w ä und zeigte in den folgen-den Jahren einen weiteren, allerdings nur ganz unbedeutenden, Rückgang.

Die Fortdauer der Steigerung der Silbergewinnung und der Ver-ringerung des indischen Silberbedarfs mußte schließlich die Staateneuropäischer Kultur, welche nicht die gesetzliche Goldwährung hatten, vordie Entscheidung stellen, ob sie die für sie verfügbaren immer größerenSilbermengen auch fernerhin in ihren Umlauf aufnehmen sollten. Nament-lich für die lateinische Union mußte über kurz oder lang die Fragebrennend werden, ob sie zu einer überwiegenden Silberzirkulation zurück-kehren, oder ob sie Abwehrmaßregeln gegen das eindringende Silber er-greifen sollte.

Wer die Entwickelung der währungspolitischen Bestrebungen in denLändern der lateinischen Union auch nur oberflächlich verfolgt hat, kannnicht zweifeln, in welchem Sinn diese Frage auch ohne Deutschlands Vorgehen entschieden worden wäre. Frankreichs Widerstand gegendie Goldwährung, der ohnedies unmittelbar vor dem Ausbruch des Kriegesgebrochen erschien, war solange erheblich erleichtert worden, als die freieSilberprägung nicht den vorhandenen Goldumlauf bedrohte. Die Gefahr,den Goldumlauf wieder zu verlieren, hätte dem bimetallistischen Systemden letzten Stoß gegeben.

Deutschlands Vorgehen hat diese Gefahr nicht heraufbeschworen,sondern sie höchstens verstärkt; es hat die lateinische Münzunion unddamit die gesamte Kulturwelt nicht vor die Entscheidung zwischen Silberund Gold gestellt, sondern die Entscheidung höchstens beschleunigt. Derausschlaggebende Grund für die sämtlichen währungsvolitischen Um-wälzungen der siebenziger Jahre war der Umstand, daß die Erfüllungdes allgemeinen Wunsches nach der Erhaltung des Goldnmlaufs, wo ervorhanden war, und nach der Schaffung eines Goldumlaufs, wo das Silbervorherrschte, durch die gleichzeitige Steigerung der Silberproduktion undVerminderung des indischen Silberbedarfs in einer Weife gefährdet wnrde,welche in den meisten europäischen Staaten Maßregeln gegen das Silberdringend notwendig erscheinen ließ.

Die Abnahme des indischen Silberbedarfs und die Zunahme derSilbergewinnung stehen also in einem bemerkenswerten ursächlichen Ver-hältnis zu den Änderungen der Münzgesetzgebuug in den siebziger Jahren.Diese Änderungen haben ihrerseits, indem sie die Silbernachfrage erheb-lich beschränkten, und indem sie teilweise durch die Veräußerung vonMünzsilber das Silberangebot vorübergehend beträchtlich erhöhten, die