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Wirkungen der vermehrten Produktion uud der verminderten Nachfragefür Indien gewaltig gesteigert und dadurch ein Sinken des Silberwertesverursacht, wie es niemals zuvor iunerhatb eines ähnlich kurzen Zeit-raumes eingetreten war.
Wer einmal den großen Zusammenhang dieser Verhältnisse, dieununterbrochene Verkettung von Ursachen und Wirkungen erkannt hat,wird niemals in Versuchung geraten, die Schnld an der vielbeklagtenSilberentwertuug einem einzigen Umstand, sei es der Produktions-steigerung, sei es der Verminderung der indischen Silbernachfrage, sei esden Veränderungen der Münzgesetzgebung, zuzuschreiben. Wie beschränktund kleinlich erscheint insbesondere die Auffassung, lediglich durch dendeutschen Währungswechsel seien die großen Umwälzungen derWähruugsverhältnisse, und lediglich durch die deutscheu Silb er-ver käu fe sei die Silbereutwertung unmittelbar verursacht wordeu.Selbst die sophistisch gewandte Dialektik, mit welcher diese Auffassungvon ihrem geschicktesten Vertreter, v?. Otto Arendt ', verfochten wor-den ist, vermag nicht über ihre subalterne Kleinlichkeit hinwegzutäuschen.
Gleichwohl führte hauptsächlich die Überschätzung der Wirkungendes deutscheu Währungsmechsels zu der vorzeitigen Einstellung der Durch-führung der deutschen Geldreform.
Zweiter Abschnitt.Die Einstellung der deutschen Silberverkänfe.
Die Grundzüge der deutschen Münzreform waren in den Gesetzenvon 1871 und 1873 uuter der fast einstimmigen Billigung der gesetz-gebenden Körperschaften und der gesamten öffentlichen Meinung fest-gestellt worden. Namentlich der Übergang zur Goldwährung wurde fastohne jeden Widerspruch und unter Zustimmung aller Parteien beschlossen.
Der Gruud dieser in einer so bedeutenden wirtschaftlichen Frageüberaus seltenen Übereinstimmung der Meinungen ist später von denGegnern der Goldwährung darin gesucht worden, daß es vor derdeutschen Münzreform überhaupt keine „Währuugsfrage" gegeben habe,sondern nur eine „Münzfrage". Die Grundlage, auf welcher diese Be-
! Die vertragsmäßige Doppelwährung, 1880.