— 426 —
Deutschland die Schuld an der eingetretenen Verwirrung. Es ist nichthoch genug anzuerkennen, daß gerade in England an den autoritativenStellen, welche sich mit der Silberfrage zu beschäftigen hatten, die Silber-entwertung von allein Anfang an nicht ausschließlich vom Gesichtspunktder deutschen Silberverkäufe aus beurteilt wurde, daß man vielmehr ganzüberwiegend den deutschen Silberverkäufen mir die beschränkte Bedeutungzumaß, welche ihnen wirklich zukam, und daß man die neben ihnen zurSilberentwertuug mitwirkenden Ursachen zum Teil als erheblich mäch-tiger anerkannte. Vor allem verdient in dieser Beziehung der überausobjektive und gründliche Bericht der Unterhanskommission von 1876 hervor-gehoben zu werden.
Über solche theoretischen Untersuchungen und Erwägungen kam manin England nicht hinaus. Der von Cernuschi über die ganze Welt aus-gestreute Samen des Bimetallismns ging hier vorerst noch nicht auf.
Das Land der Münzreform selbst zeigte in jener Zeit für dieWährnngsfrage im allgemeinen weniger Interesse, als für das Gelingenseines großen Werkes.
Bis zu den Jahren 1877 und 1878 war von einer bimetallistischenBewegung nicht viel zu verspüren.
Bimetallistische Ansichten herrschteil namentlich in den mächtigenFinanzkreisen, deren Mittelpunkt das Haus Bleichröder war. DerChef dieses Hauses hatte sich durch seine Verbindungen mit dem HauseNothschild, durch Geschick und Glück zu einer gewaltigen Stellung empor-geschwungen. Am Bimetallismus hielt er fest, als an einer Nothschild-schen Tradition.
Die Valutakrisis der Jahre 1874/75 gab zum erstenmale zu einerBewegung gegen die Goldwährung Anlaß. Allerlei Elemente suchten injener Zeit den Währungswechsel als übereilt und undurchführbar, odergar als ein Werk zur Bereicherung einzelner Geldleute darzustellen.
Eine ausgesprochene Doppelwähruugspartei war jedoch noch nichtvorhanden; die ganze goldwährungs-seindliche Bewegung war noch höchstunklar. Die Führer unserer späteren Bimetallisten kümmerten sich da-mals teilweise überhaupt noch nicht um die Währungsfrage, teils standensie noch auf der Seite der Golowähruug, wie z. B. Herr v. Kardorff,der noch im Jahre 1875 bedauerte, daß die Goldwährung bis dahinnur auf dem Papier stehe.
Im allgemeinen war es damals lediglich der agrarische und teilweise