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auch der klerikale Haß gegen den Liberalismus und die „liberale Gesetz-gebung", welcher jene unklare und unbedeutende Bewegung gegen dieGoldwährung hervorrief.
Dieser Bewegung erwuchs späterhin ein immer mächtiger werdenderBundesgenosse in den wachsenden Verlusten, welche die Silberverkäufemit sich brachten. Große Zahlen verfehlen selten ihren Eindruck, wederauf die großen Massen noch auf die Finanzminister und andere fürden Staatshaushalt verantwortlichen Staatsmänner.
War es dies fiskalische Grauen vor den Verlusten an dem nochabzustoßenden Silber, oder war es die berechtigte Furcht vor dem Ein-druck, den diese Verluste auf andere machen könnten, daß die Reichs-regierung nach Mitteln suchte, weniger Silber, als nach deu bestehendenGesetzen notwendig war, abstoßen zu müssen?
Als ein Mittel zur Beschränkung der Silberabstoßung ist jedenfallsein Gesetzentwurf anzusehen, der im Herbst 1876 auftauchte, und dessenInhalt eine Abänderuug des Müuzgesetzes war, dahingehend, daß derBetrag der auszuprägenden Reichssilbermnnzen, statt 10 Mark pro Kopfder Bevölkerung 15 Mark nicht überschreiten solle.
Der Gesetzentwurf fand überall entschiedenen Widerspruch und kamüberhaupt nicht an den Reichstag .
Die finanziellen Ergebnisse der Münzreform ^ waren bis zum Schlußdes Jahres 1875 glänzende: Statt eines Verlustes ein Überschuß derEinnahmen. Die bisherigen Verluste an den Silberverkänfen warenreichlich gedeckt durch den Gewinn an der Goldbeschaffung nnd an derminderwertigen Ausprägung der Reichssilbermünzen.
Die stärkeren Silberverkäufe der folgenden Jahre ließen dagegendie Verluste bedeutend über die Einnahmen hinauswachsen. Diese Ver-luste, welche durch zwei Anleihen von je 25 Millionen: Mark gedecktwurden, bildeten von nun an im Reichstag einen starken Angriffspunktgegen die Goldwährung.
Außer deu Verlusten an den Silberverkäufen wurden bald auchandere Nachteile der Silberentwertnng hervorgehoben, fo die Schädigungdes deutschen Silbcrbergbaues, die Verluste der Besitzer von Silber-Obligationen, uud schließlich die Schädigung unseres Handels mitSilberländern, unter welche, trotz seiner Papierwährung, namentlich auchÖsterreich gerechuet wurde.
' Vgl. Beiträge S. 378.