Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Auch die Befürchtungen einer Goldknappheit traten auf, hauptfächlichgestutzt auf die damals erschienene SchriftDie Zukunft des Goldes"von Sueß.

Verhängnisvoller als alles andere war jedoch die Wandluug in derWirtschaftspolitik des Reichs.

Die beiden Marksteine dieser Entwickelung sind eine ReichstagsredeBismarcks vom 22. November 1875, in welcher er die Aufhebungaller Zölle mit Ausnahme von hohen Finauzzöllen auf 10 bis 15 Artikelempfahl, und seinDezemberbrief" von 1878 an den Bundesrat, welchersich znm Prinzipder Zollpflichtigkeit aller über die Grenze eingehendenGegenstände, mit Ausnahme der unentbehrlichen Rohstoffe" bekannte.

Die wirtschaftliche Umkehr Bismarcks machte den bisherigen Leiternder deutschen Wirtschaftspolitik das Weiterarbeiten mit dem Reichskanzlerunmöglich. Del brück, der sich heute noch trotz seiner 8V Jahre einergroßen Rüstigkeit und Arbeitsfähigkeit erfreut, ging bereits im Frühjahr1876aus Gesundheitsrücksichten." Camphausen suchte solange esging, mit dem nenen Geiste zu paktieren, aber auch er konnte sich nichtlänger halten als bis Ende Februar 1878. Michaelis wurde imJahre 1879 als Vorsitzender der Verwaltung des Reichsinvalidenfondszur Ruhe gesetzt.

Bei dem harten Charakter Bismarcks, bei seiner Empfindlichkeitgegen jede Opposition konnte sich dieser Wechsel nicht ohne Reibung undohne persönliche Entfremdung vollziehen. Bismarck kam in eine gereizteStimmung nicht nur gegenüber seinen bisherigen Mitarbeitern in derRegierung, sondern auch in ein feindseliges Verhältnis zu denjenigenseiner frühereu Anhänger im Reichstag, welche ihm bei seiner wirtschafts-politischen Umkehr die Gefolgschaft verweigerten und in den Weg traten.

Es gab sich, daß diese Männer, wie Bamb erg er und Lasker,gleichzeitig die eifrigsten Förderer der Münzreform gewesen waren.

Die Münzreform wurde durch diese Vorgänge also nicht nur ihrerbisherigen Leiter in der Regierung beraubt, sondern gleichzeitig wurdein Bismarck, der jetzt genötigt war, sich auch um diese Angelegenheitmehr zu kümmern, ein feindseliger Geist gegen deren Urheber erweckt,der gar zu leicht zu einer Gegnerschaft gegen das Werk selbst aus-schlageu kouute.

Diese Gefahr wurde verschärft dadurch, daß Herr v. Kardorff, einerder eifrigsten Führer der Schutzzollbewegung, sich gänzlich zu bimetallisti-schen Ideen bekehrte; wie er selbst sagte, durch das Studium der