Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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amerikanischen währungspolitischen Vorgänge. Die Möglichkeit einervölligen Union zwischen Schlitzzoll und Vimetallismus lag nahe.

Trotz alledem war auch jetzt noch die ganze bimetallistische Be-wegnng auf einen engen Kreis von Politikern beschränkt. Ohne BisinarcksUnterstützung war sie zur völligen Machtlosigkeit verurteilt. Bismarck aber stand noch im Jahre 1878 so sehr auf der Seite der Goldwährung,daß er es ablehnte, für Deutschland einen Vertreter zu der internationalenMünzkonferenz zu entsenden, welche damals von den Vereinigten Staaten nach Paris einberufen wurde, und auf welcher Delegierte sämtlicher ein-geladenen Staaten, auch von England , erschienen.

Diese Haltung Bismarcks bewirkte, daß bis in das Jahr 1879hinein alle Verhandlungen des Reichstags über das Münzwesen zwarnicht immer geräuschlos, aber so durchaus günstig für die Goldwährungverliefen, daß niemand an der glatten Durchführung der Reformzweifelte. Noch durch ein Gesetz vom 30. März 1879 wurde ohneWiderspruch eine Anleihe von 25 Millionen Mark zur Durchführungder Münzreform bewilligt.

Da tauchte plötzlich das beunruhigende Gerücht aus, die Neichs-regierung beabsichtige, die Silberverkäufe einzustellen, und der Reichs-kanzler plane einen Übergang zur Doppelwährung.

Bei einer seiner parlamentarischen Soireen redete Fürst Bismarck den Abgeordneten Mosle (Bremen ) an und begann mit ihm einwährungspolitisches Gespräch. Mosle war einer derjenigen Männer,welche lebhaften Anteil an den gesetzgeberischen Arbeiten der Münzreformgenommen hatten. Nationalliberal und ursprünglich Freihändler war ermit dem größeren Teil seiner Partei zum Schutzzoll übergegangen undhatte sich dadurch das besondere Vertrauen des Reichskanzlers erworben.

An jenem Abend setzte ihm nun Bismarck auseinander, welcheKalamität und Verwirrung durch die Silberentwertung hervorgerufenworden fei durch das Verschulden Deutschlands. Die deutschen Silberverkäufe hätten den Silberpreis so heruutergebracht. Es bleibenichts übrig, als die Silberverkaufe einzustellen; nur dann würden sichwieder normale Verhältnisse entwickeln.

Mosle war verblüfft.

Sobald das Gespräch beendigt war, ging er zu dem Reichsbank-präsidenten, Herrn v. Dechend, der sich gleichfalls unter den Anwesenden