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Hälfte der 80er Jahre zweifellos die Einfuhr und die Einschmelzungenvon Goldmünzen für industrielle Zwecke größer, als der Zuwachs, welchender deutsche Goldumlauf durch die Neuprägungen erfuhr.
Wenn wir uns nun erinnern, welche Schmierigkeiten sich aus diesenVerhältnissen für die Stellung der Reichsbank ergeben mußten ^,dann können wir die Größe der Gefahr ermessen, die gleich nach derEinstellung der Silbervcrkäufe dem deutschen Geldwesen zu drohen begann.
Der deutsche Verkehr benutzte nach wie vor die durch die unbedingteGoldzahlung der Reichsbank gegebene Möglichkeit, die überflüssigenThaler in die Reichsbank abzustoßen und dafür Goldmünzen heraus-zuholen.
Da die Reichsregierung seit der Einstellung der Silberverkäufekeine Thaler mehr aus der Reichsbank entnahm, mußte dort der Thaler-vorrat auf Kosten des Goldvorrates eine Vermehrung erfahren. Währendder durchschnittliche Bestand der Neichsbank an Thalern und Scheide-münzen im Jahre 1878 sich auf 287 Millioen Mark belief, stieg er bisauf 350 Millionen Mark im Jahre 1881, also um etwas über 60 Mil-lionen Mark 2. Damit scheint den Bedürfnissen des Verkehrs Genügegeschehen zu sein, denn von nun ab trat wieder eine Verminderung desThaler- und Scheidemünzbestandes der Neichsbank ein. Da sich damalsder gesamte Bestand Deutschlands an Thalern und Scheidemünzen ansetwa 910 Millionen Mark belief, befanden sich außerhalb der Reichsbanketwa 560 Millionen Mark, etwa 12^2 Mark pro Kopf der Bevölkerung.
Der durchschnittliche Goldbestand der Neichsbank war, trotz derGoldbeschaffung des Reichs, im Jahre 1878 bereits auf 207 MillionenMark gesunken (gegen 495 Millionen Mark um die Mitte des Jahres1875). Glücklicherweise bewirkte die Zunahme des Silberbestandes ummehr als 60 Millionen Mark nicht eine entsprechende Abnahme desGoldvorrates. Unmittelbar nach der Einstellung der Silberverkäufestanden die Wechselkurse so günstig für Deutschland , daß die Neichs-bank im Jahre 1879, abgesehen von den bis in den Juli fortgesetztenGoldankäufen des Reichs, von Privaten für mehr als 56 Millionen MarkGold ankaufen konnte, während ihre Goldankäufe von Privaten im Jahre1878 nur 9,7 Millionen Mark, 1877 gar nur wenig über 700000 Mark
' Siehe oben S. 400.
2 Siehe Beiträge S. 470.