Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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betragen hatten'. Auch während der folgenden Jahre gelang es derReichsbank, trotz der nngttnstigen Verhältnisse, Gold herbeizuziehen.

Die Folge war, daß trotz des Anwachsens ihres Silberoorratesihr Goldbestand sich nicht verminderte, sondern sich von 207 MillionenMark im Durchschnitt des Jahres 1878 auf 226 Millionen Mark im Jahre1880 vermehrte. Erst der-starke Goldabfluß des Jahres 1881 brachte miteiner weiteren Zunahme des Silbervorrates einen Rückgang des durchschnitt-lichen Goldbestandes auf 207 Millionen Mark. Vorübergehend war ernoch beträchtlich geringer als dieser Durchschnitts In den Jahren 1881und 1882 betrug die durchschnittliche Golddeckung des Notenumlaufs nur28°/v, der sämtlichen täglich fällige» Verbindlichkeiten nur 22Vs°/o.

Unter diesen Verhältnissen sah sich die Reichsbank zu scharfenDiskontmaßregeln genötigt. Von 1880 bis 1885 war ihr offizieller Satzniemals niedriger als 4°/», Im Oktober 1880 mußte sie 5°/» halten,im Oktober 1881 ging sie bis auf 5'/2°/v, und im Februar 1882 er-höhte sie ihren Diskontsatz gar bis auf 6°/». Diese Diskonterhöhungenwaren ausschließlich durch den niedrigen Stand der Goldreserve not-wendig gemacht, während die gesamte Deckung durch Barmittel keineallzu ungünstige war. Unter diesen Verhältnisseil bestätigten sich dieErfahrungen des Jahres 1874^. Die Sätze des offenen Marktes bliebenerheblich hinter dem Bankdiskont zurück. Die Wirkung der Diskont-erhöhungen war infolge dessen nur gering.

1 Siehe Beiträge S, 226 u, 247.

2 In der erste» Hälfte des September 1880 erreichte der Goldvorrat seinenniedrigsten Stand mit etwa 18Z Millionen Mark. DieBörsenzeitung" brachtedamals eine Notiz, in welcher diese Summe für den Goldvorrat, 317 Millionen Markfür den Thalervorrat und 33 Millionen Mark für die Scheidemünzen angesetzt waren.Diese Angaben wurden allgemein für richtig gehalten, von Soetbeer adoptiert undauch von Bamberger gelegentlich im Reichstag in Gegenwart des Reichsbankpräsidentenwiederholt, ohne daß ein Widerspruch erfolgte. Später hat Herr Dr. Arendt ver-breitet, die Notiz in der Börsenzeitnng rühre von ihm her, und die Angabe über dieZusammensetzung des Metallvorrats der Reichsbank sei von ihm frei erfunden, uman einem Beispiel die Bedeutung des 'Goldvorrats für die Diskontpolitik der Reichs-bank zu erläutern, und er hat sich dabei über diejenigen lustig gemacht, welche aufseine Angabe» hineingefallen seien. Wenn seine Darstellung zutrifft, dann muß diegroße Übereinstimmung auffallen, welche zwischen diesenfrei erfundenen" Zahlen undder thatsächlichen Zusammensetzung des damaligen Metallvorrats der Reichsbank be-steht. Denn nicht nur der Goldvorrat ist richtig angegeben (er betrug am 14. Sep-tember 1880 186 Millionen Mark), sondern auch die Angaben über den Thalcrbcstandund den Scheidcmünzvorrat zeigen nur unbedeutende Ungenauigkeiten (Thalerbestandam 14. September 311 Millionen Mark, Scheidemünzvorrat 31 Millionen Mark).

» Siehe oben S. 376.