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Silberentwertung zurückgeführt wurde, indem man den Bauern von derDurchführung des bimetallistischen Systems eine Preissteigerung ihrerProdukte versprach, gelang es durch eine jahrelange rastlose Agitation, alsderen eigentlicher Führer Graf von Mirb ach-Sorauitten bezeichnetwerden darf, den größten Teil der deutschen Landwirtschaft für die Doppel-währung zu gewinuen. Es wnrde ein förmlicher Petitionssturm aufRegierung, Bundesrat und Reichstag eröffnet, der beim Beginn desJahres 1886 seinen Höhepunkt erreichte. Damals lagen dem Reichstag1l61 Petitionen vor, zumeist von landwirtschaftlichen Vereinen aus-gehend, welche alle in dein gleichen Wortlaut die internationale Doppel-währung verlangten.
Der politische Machtzuwachs, welche» der Bimetallismus durchdiese Entwickelung erfuhr, war beträchtlich. Schon zur Zeit der Ein-stellung der Silberverkäufe wareu die Anhänger der Goldwährung imReichstag nicht mehr so stark, daß sie eine Resolution zu Gunsten einerFortsetzung des Resormwerkes hätten durchsetzen können.
Unter diesen Verhältnissen lag das Schicksal des deutschen Geld-wesens hauptsächlich in den Händen der Regierung.
Für die Stellungnahme der Reichsregiernng kam vom Jahre 1880ab neben dem Reichskanzler und dem Neichsbankpräsidenten in hervor-ragendem Maße der Leiter des bei der Auflösung des Reichskanzleramtesin einzelne Reichsämter begründeten Neichsschatzamtes, Herr von Scholz,in Betracht. Seine Haltung war anfangs schwankend, er begnügte sichdamit, im Reichstag die Ansichten des Kanzlers und der verbündetenRegierungen wiederzugeben. Durch die eingehendere Beschäftigung mitder Währungsfrage entwickelte er sich jedoch allmählich zu einem aus-geprägten Anhänger der Goldwährung, und es gelang ihm, nicht nur imReichstag, soudern auch beim Reichskanzler seinen Standpunkt mit Erfolgzu vertreten.
In eine äußerst prekäre Lage war durch die Eutwickeluug der Ver-hältnisse Herr von Dechend geraten. Wie seitens der Reichsregierungim Reichstag mitgeteilt wurde', hatte er sich auf ausdrückliches Be-fragen dahin geäußert, daß er aus dem Thalervorrate der Reichsbankkeinen Gruud für die Beschleunigung der Silberverkäufe ableite; eskönne jedermann jederzeit bei den Bankstellen Gold bekommen, und dieBank sei in der Lage, ihren Goldvorrat zu schützen. Als aber die fort-
' Durch Regierungsrat Schraut am 24. Februar 1880.