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schreitende Abnahme des Goldvorrats die Bank zu starken Diskont-erhöhungen nötigte, welche ihren Zweck nicht einmal erreichten, wegenderen aber die Reichsbankleitung heftige Angriffe hinnehmen mußte, alses sich schließlich als notwendig herausstellte, die Einlösung der Notenin Gold auf die Hauptbank in Berlin zu beschränkeil, als die Ausrecht-erhaltung der Goldzahlungen immer mehr bedroht erschien, da bildetesich bei dem Reichsbankpräsidenten die Ansicht heraus, daß der bestehendeZustand unhaltbar sei^. Die Entwickelung der Dinge machte ihn ins-besondere empfänglich für die Behauptung, es mangle an Gold für dieDurchführung und Aufrechterhaltung der Goldwährung. Weil er in einerallgemeinen Goldnot, nicht in dem großen Silberbestand der Reichsbank,die Schwierigkeiten der Lage erblickte, konnte er als Anskunftsmittelnicht die Wiederaufnahme der Silberverkäufe vorschlagen, welche ihmohnedies in Rücksicht auf die Lage des Silbermarktes unthunlich erschien.Andererseits vermochte er sich nicht für die Doppelwährung zu ent-scheiden, „und zwar nicht bloß aus prinzipiellen, sondern auch auspraktischen Gründen" ^. Es könne überhaupt nur eiue nniverselle Doppel-währung in Frage kommen, und an Englands Beteilignng sei nicht zudenken, „weil es sich der ihm vorzugsweise drohenden Gefahr, mit Silberüberschwemmt zu werden, und infolgedessen sein Gold zu verlieren, uichtaussetzen dürfe".
Dagegen glaubte er ein durchführbares Mittel gegen den Gold-mangel gefunden zu haben: die Beschränkung des Goldgebrauchs aufdie internationalen Zahlungen und den großen Verkehr, und eine aus-giebigere Verwendung des Silbers für den mittleren uud kleinen Verkehr.Diesen Zweck wollte er erreichen durch die Beseitigung aller Goldstückeund Papierscheine, welche auf Beträge unter 20 Mark lauteten.
Abgesehen von der anfechtbaren Begründung durch deu angeblichenGoldmangel, war die Essenz dieses Vorschlags in der damaligen Zeit
1 In der vo» v. Dechend herrührenden Denkschrift über die Währungsfrage,welche im April 1882 in der „Nordd. Allg. Ztg." anonym veröffentlicht wurde,heißt es:
„Die Verwaltung der Reichsbank ist genötigt gewesen, die Einlösung ihrer Notenin Gold auf die Hauptbank zu beschränken und Diskonterhöhungen eintreten zn lassen,die recht gut hätten vermieden werden können, wenn sie nicht mit ängstlicher Sorg-falt über ihren Goldschatz wachen müßte. Das ist kein auf die Länge der Zeit halt-barer Zustand, er muß auf die eine oder andere Weise balv geändert werden, wenndie wirtschaftliche Lage des Landes uicht darunter leiden soll."
2 Siehe die erwähnte Denkschrift.
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