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sehr erwägenswert. Wenn man der schwierigen Lage der Reichsbanknicht durch eine Wiederaufnahme der Silberverkäufe abhelfen wollte,dann war das nächst beste Mittel, den Bedarf des freien Verkehrs anSilbergeld durch eine Beseitigung der goldenen Zehn- und Fünfmark-stücke und der Fünfmarkscheine zu steigern und dadurch die Reichsbankvon der drückenden Thalerlast zu befreien. Wie der Glanbe au einenGoldmangel bei Herrn v. Dechend durch die Schwierigkeiten, in welchedie Reichsbank durch die vorzeitige Unterbrechung der Müuzreform ge-raten war, hervorgerufen wurde, so wäre» offenbar auch seine Vorschlägezur Abwehr des Goldmangels hauptsächlich durch die Rücksicht auf diebesonderen Verhältnisse, mit welchen die Neichsbank zu kämpfen hatte,beeinflußt.
Bismarck selbst scheint nach der Einstellung der Silberverküufebald wieder das Interesse an der Münzfrage verloren zu haben. ImJnli 1879 hatte er noch dein Amerikaner Keller) Hoffnungen gemacht,daß er die Initiative zu einer internationalen Münzkonferenz ergreifenwerde, aber es erfolgte kein derartiger Schritt.
Im Jahre l880 zeigte er gegenüber der Währungsfrage eine völligeGleichgültigkeit. Er ließ, als im Februar bei der Etatberatung überdas Münzwesen debattiert wurde, durch Scholz erklären, der einzigeGrund für die Unterbrechung der Silberverkaufe sei, daß er die bei derwetteren Veräußerung des Silbers zu erwartenden Verluste nicht aufseine eigene Verantwortlichkeit übernehmen wolle. Wenn der Reichstag mit überwiegender Majorität die Fortsetzung der Verkäufe verlangen sollte,so werde die Reichsregierung von nenem Stellung nehmen.
Ein derartiger Reichstagsbeschlnß erfolgte jedoch nicht, und dieRegierung bekundete ihre Absicht, die Einstellung der Silberverkäufedauernd aufrecht zu erhalten, dnrch die Vorlage eines Gesetzentwurfes^,welcher den Höchstbetrag für die Ausprägung von Reichssilbermünzen von1V auf 12 Mark pro Kopf der Neichsbcvölkerung erhöhen wollte. Der ein-gestandene Zweck dieses Entwnrfes war, den im Besitz des Reiches ge-bliebenen Rest von Silberbarren zur Ausprägung in Reichssilbermünzenverwendbar zu machen. Da die Bimetnllisten prinzipiell gegen eine Ver-melmiiig der »nterwertigeu Silbermünzen eintraten, und da die An-hänger der Goldwährnng, wie Bamberger, dem Entwurf nur unter derVoranSsetznng zustimmen wollte», daß nicht der Varrenrest, sondern aus-
> Vom 15. April 1S80.