Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
453
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schließlich umlaufende Thaler zu den Neuprägungen verwendet würden',lag der Regierung nichts daran, daß der Entwurf beim Schlüsse derSession unerledigt blieb.

Als sich gegen Ende des Jahres 1880 die Lage der Neichsbankschwieriger gestaltete, scheint Bismarck auf Dechends Vorstellungensich wieder mehr mit der Währungsfrage beschäftigt zu haben. Anch dievon Frankreich und den Vereinigten Staaten ausgehende Einladung zu«wer neuen internationalen Münzkonferenz hat vielleicht dazu beigetragen,seine Aufmerksamkeit von neuem auf diese Angelegenheit zu lenken.Seine Auffassung der Lage und der zu ergreifenden Maßregeln scheintdamals wesentlich dnrch Dechends Vorstellungen beeinflußt wordenzu sei».

Als am 10. März 1881 der Reichstag die 9. Münzdenkschrift einerBesprechung unterzog, erklärte Scholz^ an Stelle des durch Krankheitam Erscheinen verhinderten Reichskanzlers, die verbündeten Regierungenseien der Meinung, daß der staws yuo im wesentlichen auch ferneraufrecht zu erhalten sei. Diese Ansicht decke sich auch mit Bismarcks persön-licher Auffassung. Bismarck halte dasnoir li^ust" in der Währnngs-frage znr Zeit noch für so stark, daß ein entscheidender Schritt jetztnicht rätlich erscheine; doch sei es ihm allerdings zweifelhaft, ob dervorhandene Goldbestand ausreichend sei; der Kampf der Centralbankenum das Gold, wie er in den Diskonterhöhungen zu Tage trete, kommeihm vor, wie ein Zerren an einer zu kurzen Decke. Der Reichskanzlersei aber der Meinung,daß es ihm nicht obliegen werde, in dieser Sacheirgendwie reglemeatarisch vorzugehen, daß er vielmehr die Maßnahmen,die sich demnächst als notwendig erweisen würden, den ver-bündeten Regierungen nicht bloß, sondern auch dem hoheu Hause, alsGes etzgebungs maßregeln werde zu unterbreiten haben." Indiesem Sinne sei auch die Eiuladung zur Pariser Münzkonferenz an-genommen worden.

Es war also Herru v. Decheud gelungen, den Reichskanzler von demGoldmangel zu überzeugen; ebenso deckten sich Bismarcks Ansichten mit

! Dieses Verlangen war nicht »nr durch die Rücksicht auf die möglichste Be-schränkung des Silberumlaufs, sondern auch in Rücksicht auf den 2. Alisatz des Art. 4des Münzgesetzes, vom 9. Juli 1873, gerechtfertigt. Dort ist vorgeschrieben, daß beijeder Ausgabe von Reichssilbermünzen ein dein Nennwert nach gleicher Betrag vonumlaufenden Landessilbermünzen einzuzieheu ist. Vgl. Beitrage S. 460bis 463.

- Sten. Ber. von 1881. S. 252.