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Zwar nahm der Kongreß, welcher von den bimetallistischen Ver-einigungen Deutschlands und Englands im Oktober 1882 in Köln ver-anstaltet wurde, denjenigen Teil der Dechendschen Vorschläge wieder auf,welcher bereits ans der Pariser Mttnzkonfereuz von den deutschen Dele-gierten als annehmbar bezeichnet worden war, nämlich die Einziehungder goldenen Fünfmarkstttcke und der Neichskassenscheine zu fünf Markund die „vollwertige" Ausprägung der Silbermünzeu. Herr v. Kardorffbrachte auch im Jannar 1883 im Reichstag einen Antrag auf Abänderungdes Münzgesetzes ein, der diese Forderungen enthielt ^. Da es aber denBimetallisten selbst nicht Ernst mit diesem Antrag war, kam er überhauptnicht zur Verhandlung.
Dagegen gab im April des Jahres 1883 die Etatdebatte der Reichs-regiernng Gelegenheit, ihren veränderten Standpunkt in der Währungs-frage darzulegen. Der Staatssekretär des Neichsschatzamts, Herr vonScholz, war gerade durch die Beschäftigung mit den der Pariser Kon-ferenz gemachten Vorschlägen ein überzeugter Anhänger der Goldwährunggeworden. Namentlich war er, wie er später im Reichstag mitteilte ^„nach eingehendem, pflichtgemäßem Studium" des von Cernuschi ver-faßten bimetallistischen Vertragsentwurfs zu der Überzeugung gekommen,daß es unmöglich fei, einen bimetallistischen Vertrag zu entwerfen, dernicht die größten Gefahren in sich berge. Diese Überzeugung brachte ihmdie heftigste Gegnerschaft der Bimetallisten. Herr v. Kardorff ließ sichsogar dazu hinreißen, ihn brieflich bei Bismark anzuklagen, „daß, obwohldie Camp Hausen und Delbrück abgegangen, in den Räumen desReichsschatzamtes noch der Geist Bambergers wehe", und daß ihmeine Purifikation in dieser Beziehung notwendig erscheinet Aber Scholzgenoß damals so unbedingt das Vertrauen des Kanzlers, daß dieser ihmohue weiteres den Anklagebrief „zur geschäftlichen Behandlung" übergab.
Auf den Einfluß des damaligen Neichsschatzsekretärs ist es zurückzu-führen, daß Dechends Befürchtungen einer Goldknappheit keinen Eindruckauf die Reichsregierung mehr machten. Vielleicht war v. Dechend selbstdamals schon durch eine günstige Wendung der Verhältnisse beruhigt
Kronenvrngnnnen statt; erst von 1888 an wurden, den Bedürfnissen des Verkehrs undden oft wiederholten dringenden Wünschen der Industrie und des Handels entsprechend,von Zeit zu Zeit wieder größere Ausmünzungen von Kronen vorgenommen.
' Nr. 140 der Drucksachen des Reichstags von 1882/83.
» Sten. Ber. von 188S/86 S. 996.