Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
457
Einzelbild herunterladen
 

457

worden. Im Jahre 1882 konnte die Neichsbank für etwa 11 l MillionenMark Gold ankaufen. Ihr Goldbestand erfuhr dadurch eine erheblicheBesserung ^ und er hielt sich auch während der folgenden zwei Jahre,als der Goldzufluß wieder beträchtlich nachließ, annähernd auf der ein-mal erreichten Höhe.

Die Erklärungen, welche Geheimrat Schraut im April 1882 fürdie Reichsregierung abgab, gipfelten in dem Satze, daß in der Frageder GoldnotVermutungen, welche den höchsten Grad der Wahrschein-lichkeit für sich hatten, sich in Wirklichkeit nicht als zutreffend erwiesenhaben". Der st^ws c^uo sei für Deutschland durchaus erträglich,während Frankreich durch seinen viel größeren Silberumlaus und Eng-land durch seine ausgedehnten Handelsbeziehungen zn den asiatischenSilberländeru ungleich mehr an der Währungsfrage interessiert seien.Es liege also für Deutschland keine Veranlassung für irgendwelcheSchritte vor.

Diese beruhigende Erklärung vermochte jedoch die Fortsetzling derbimetallistischen Agitation nicht zu hemmen. Von großem Einfluß aufdie öffentliche Meinung der ganzen Welt war es, daß George Goschen ,eine der ersten englischen Autoritäten auf dem Gebiet des Geldwesens,wenige Tage nach der Erklärung Schrauts, welche den Goldmangelleugnete, im Instituts c>k Lanksrs in London einen Vortrag hielt, inwelchem er den Preisrückgang einer Reihe wichtiger Waren und die an-haltende wirtschaftliche Depression auf eine Verteuerung des Goldeszurückführte.

In Deutschland speciell brachten die Jahre 1383 bis Anfang 1886die bisher niemals wieder erreichte Hochflut der bimetallistischen Be-strebungen; wir haben die Bearbeitung der Landwirtschaft durch diebimetallistischen Agitatoren uud den von ihnen organisierten Petitious-sturm auf die gesetzgebenden Körperschaften bereits geschildert.

Es scheint, daß die Mobilmachung der gesamten Landwirtschaft da-mals ihren Eindruck auf Bismarck nicht ganz verfehlte. Eine Reihevon Anzeichen deutete darauf hiu, so die Art und Weise, wie der land-wirtschaftlichen Petitionen, welche die Doppelwährung verlangten, in deroffiziösenNordd. Mg. Zeitung" gedacht wurde. Auch die Stellung des

i Von 209 Millionen Mark im Durchschnitt des Jahres 1882 auf 282 MillionenMark im Jahre 1883.