Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Herrn von Scholz, der inzwischen preußischer Finanzminister gewordenwar, galt als erschüttert.

Beim Beginn des Jahres 1885 brachte v. Kard orff im Reichstag eineResolution ein, welche die Reichsregierung aufforderte, die Initiative zurEinberufung einer internationalen Währungskonferenz zu ergreifen. DieReichsregieruug nahm in keiner Weise zu diesem Antrag Stellung, son-dern ließ ein geheimnisvolles Dunkel über ihren Absichten walten.Ichhalte es nicht sür ausgeschlossen," so schrieb Bamberger am 25. Januar 1885an Soetbeer,daß Bismarck, ohne sich nun zu entscheiden, sich einstweilenein agrarisches Votum vom Reichstag geben ließe, um es eventuell zuverwerten."

Als sich die Anzeichen fül eine der Goldwährung feindliche Haltungder Regierung mehrten, geschah in letzter Stunde alles, um den agra-rischen Petitionen gegenüber die hervorragendsten Handelskammern desReichs zu einer Demonstration zu Gunsten der Goldwährung zu veran-lassen. Sicherlich hat das entschiedene Auftreten dieser Körperschaftengegen die bimetallistischen Forderungen die Haltung des Reichstags starkbeeinflußt. Bis zum letzten Augenblick war die Entscheidung zweifelhaft.Die Ablehnung des Kardorffschen Antrags kam vielen überraschend. Siewar dadurch herbeigeführt, daß ein Teil des Centrums, mit Windt-horst an der Spitze, gegen den Antrag stimmte.

Mit dieser Abstimmung war jedoch die Ruhe uicht wieder hergestellt.Die Negierung blieb bei ihrer zweifelhaften Haltung und ermutigte da-durch die bimetallistische Agitation zu den größten Anstrengungen. GroßesAufsehen erregte es namentlich, daß Bismarck in einem vom 28. Mai1885 datierten Schreiben an den Vorstand der Thüringischen Bauernvereineerklärte:die Frage der Einführung der Doppelwährung unterliegt znrZeit der Prüfung der zuständigen Behörden". Zwar beschloß der Bundes-rat im Juni, den bimetallistischen Petitionen keine Folge zu geben; aber auchdiese Entscheidung wurde nicht als eine endgültige angesehen. Die bime-tallistische Agitation nahm immer größere Dimensionen an, sogar im Central-verband deutscher Industrieller traten bimetallistische Neigungen stark hervor.Im November druckte dieNordd. Allg. Zeitung" einen Aufsatz aus derFeder des Grafen v. Mirbach ab, betitelt:Die schwere Schädigung derLandwirtschaft, des Gewerbes, der Industrie, des Handwerks, aller körper-lichen und geistigen Arbeit dnrch die Goldwährung."

In den ersten Monaten des Jahres 1886 hofften die Bimetallisteirden entscheidenden Sieg im Deutschen Reichstag zu erringen.