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heit für die Resolution war dadurch zustande gebracht worden, daßder Antrag nur von einer internationalen Regelung derWährungsfrage, nicht von der Doppelwährung, sprach.
Wichtiger als dieser Reichstagsbeschluß war, daß der ReichskanzlerFürst zu Hohen lohe sich bereit erklärte, mit den verbündeten Re-gierungen über die Zweckmäßigkeit eines Meinungsaustauschesmit fremden Staaten in Unterhandluugen zu treten.
Wenn auch diese Erklärung mit den Worten begann: „Ohne der be-stehenden Reichswährung zu präjudizieren", und wenn auch der Reichs-kanzler als Endziel des Meinungsaustausches nicht die internationaleDoppelwährung, sondern nur die „Hebung und Befestigung des Silber-wertes" bezeichnete, so war die Erklärung dennoch ein Bruch mit derbisherigen deutschen Mttnzpolitik. Bisher hatte die Reichsregierung stets,auch unter den schwierigsten Verhältnissen, in der Währungsfrage dieäußerste Zurückhaltung beobachtet, sie hatte die deutschen Münzverhältnissean sich für befriedigend erklärt und jede wesentliche Änderung des stawsHv.o von sich gewiesen; weit entfernt, sich zu einer Initiative bereit findenzu lassen, hatte sie es sogar abgelehnt, sich bereit zu erklären, im Falleeiner von England ausgehenden Initiative sich dem englischen Vorgehenanzuschließen.
Es ist begreiflich, daß die Erklärung des Reichskanzlers vom15. Februar 1895 nicht nur in Deutschland , sondern allenthalben die bi-metallistische Agitation zu den äußersten Anstrengungen anspornte,daß andererseits die Anhänger der Goldwährung, welche bisher imGefühl der Sicherheit überall eine gewisse Zurückhaltung beobachtethatten, gleichfalls ein energisches Eingreifen in den Kampf um dieWährung für notwendig hielten. Während bisher nur die Bimetallistenin großen Verbänden organisiert waren, bildeten sich fast gleichzeitigin England und in Deutschland zwei Vereine zum Schutz der Gold-währung, welche die Agitation gegen den Bimetallismus mit großenMitteln und auf breiter Grundlage aufnahmen. Wie die Landwirtschaftfür den Bimetallismus, so trat nun in Deutschland der gesamte in denHandelskammern nnd dem Deutschen Handelstag organisierte Handels-und Gewerbestand in fast ausuahmsloser Einstimmigkeit für die Er-haltung der Goldwähruug ein.
Inzwischen ließ Fürst Hohenlohe bei der englischen Regierung an-fragen, ob sie bereit sei, die indischen Münzstätten wieder für das Silberzu öffnen; denn eine solche Maßregel erschien als die erste Vorbedingung