Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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So zeigt die neueste Entwickelung der internationalen Währungs-verhältnisse immer deutlicher, daß die WiderHerstellung der durch dieSilberentwertuug gestörten festen Wechselkurs-Paritäten auch ohne dieRückkehr zu einein bimetallistischen System mit freier Silberprägnngmöglich ist, nämlich auf dem Boden der Goldvaluta, und zwar ohnedaß dadurch eine Goldverteuerung hervorgerufen wird. Freilich sinddie Münzzustände der Länder, welche, wie Indien, bei fast ausschließ-lichem Silberumlauf eine Goldvaluta anfrecht erhalten wollen, keineswegsideale; aber man darf bei der Beurteilung dieser Zustände nicht ver-gessen, daß ein so gewaltiger Prozeß, wie der Übergang der Welt zurGoldwährung, sich nicht mit einem Schlag und ohne Reibung vollziehenkann, daß vielmehr ein schwieriges und für viele wichtigen Interessengefährliches und nachteiliges Übergangsstadinm überwunden werdenmuß; der schlimmste Teil dieses Übergaugsstadiums liegt mit der Be-seitigung der Valntaschwankungen der wichtigste!? Silberländer heutebereits hinter uns. Der weitere Verlauf des Entwickelungsprozesses hängtin hervorragendem Maße von. der Gestaltung der Goldproduktion ab,davon, wie weit und in welcher Zeit es möglich sein wird, in einzelnenLändern die Goldvaluta durch die Schaffung oder Ausdehnuug einesthatsächlichen Goldumlaufs dauernd zu sichern.

Während diese Verhältnisse die Härten der bestehenden Währungs-verfassung erheblich gemildert haben, läßt die neneste Gestaltung derEdelmetallproduktion die Befürchtungen derjenigen, welche von einerRemonetisiernng des Silbers, namentlich auf Grundlage des Wert-verhältnisses von I5Vs: 1 zum Golde, eine starke Geldentwertung er-warten, zu einer absolut sicheren Gewißheit werden. Der Wert derGoldproduktion des Jahres 1897 wird auf eine Milliarde Mark geschätzt.Das ist mehr als ein Drittel des gegenwärtigen deutschen Goldgeld-bestaudes. Die Goldproduktion der besten Jahre der kalifornischen undaustralischen Goldfunde erreichte uicht ganz 600 Millionen Mark; auchdie Gold- und Silberproduktion zusammen blieb in jenen Jahren ummehr als 200 Millionen Mark hinter dem Wert der gegenwärtigenGoldproduktion allein zurück. Dabei ist zu berücksichtigen, daß in jenenJahren die Verschiffung von Silber nach Indien die gesamte Neuproduk-tion von Silber überstieg, so daß für die übrige Welt nicht einmal dervolle Betrag der Goldgewinnung als Zuwachs in Betracht kam. Trotz-dem zeigte sich damals eine merkliche Geldentwertung.

Heute, wo die Goldproduktion bald den doppelten Wert der kali-fornischen Epoche erreicht haben wird, verlangen die Bimetallisten die