Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
472
Einzelbild herunterladen
 

472

Diese Schwankungen haben in Ansehung der wichtigsten Länder,welche hier in Betracht kommen, praktisch aufgehört.

Rußland ist nach laugen Vorbereitungen im Laufe des letzten Jahreszur Goldwährung übergegangen. Bereits seit 1894 hält sich der Rubelkursiu Berlin innerhalb der auch bei einer vollkommene» Währungsgleichheitmöglichen Schwankungen. Die nene Parität ist 2,16 Mark pro Rubel.

Österreich-Ungarn hat zwar die Barzahlungen in Gold nochnicht aufgenommen, aber praktisch hat es seine Valuta gleichfalls aufder neuen Parität von 1,70 Mark pro Gulden befestigt.

Die Einstellung der indischen Silberprägungeu hat, wie bereitserwähnt, den Ersolg gehabt, den Kurs der Rupie auf 16 ä zu steigern(nachdem er auf 12^8 <Z. gesunken war). Die Schwankungen währenddes letzten Jahres bewegten sich nur innerhalb eines engen Spielraums,und es besteht alle Hoffnung, daß sich binnen kurzer Zeit die absoluteBefestigung des Rupienkurses auf 16 ä erreichen lassen wird.

Außerdem ist im letzten Jahre Japan zur Goldwährung über-gegangen, uud damit ist auch mit einem wichtigen Teil Ostasiens einefeste Wechselparität hergestellt.

Wirkliche Silberwähruug haben heute nur noch China, Mexiko undeinige handelspolitisch unbedeutende süd- und mittelamerikanische Staaten.

Dadurch ist der wesentlichste Teil der wirklichen und eingebildetenInteressen an der Hebuug und Befestigung des Silberwertes gegen-standslos geworden. Der russische und indische Weizen kann in Zukunftnur noch als Nahrung für Menscheu dienen, nicht mehr als Nahrungfür die bimetallistische Agitation.

Auf der andern Seite hat die gewaltige Steigerung der Gold-produktion die umfangreichen russischen, österreichischen und japanischenGoldbeschaffuugen ermöglicht, ohne auch nur entfernt auf dem inter-nationalen Geldmarkt ähnliche Störuugeu hervorzurufen, wie die deutscheGoldbeschaffung anfangs der siebziger Jahre und die amerikanischen unditalienischen Goldbezüge beim Beginn der achtziger Jahre. Nachdemder außerordentliche Goldbedarf dieser neuen Goldwähruugsländer inabsehbarer Zeit völlig befriedigt sein wird, muß bei einer Fortdauer derstarken Goldproduktion auch der letzte Rest der bereits heute veraltetenKlagen über die angebliche Goldknappheit ebenso verschwinden, wie dieKlagen über die schwankende oder unterwertige österreichische, russische,indische und japanische Valuta in Anbetracht der währungspolitischenMaßregeln dieser Länder.