Teil eines Werkes 
1 (1898) Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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für wünschenswert, aber dieses Ansinnen wurde von der englischen Regie-rung kategorisch abgelehnt. Es wurde nun der englischen Regierungeine Reihe von Propositionen gemacht, deren wichtigste waren:

1) Wiedereröffnung der indischen Münzstätten für das Silber.

2) Zurückziehung der halben Sovereigns und deren Ersetzung durchSilberzertifikate.

3) Ein Fünftel des Barbestandes der Bank von England soll inSilber angelegt werden.

4) Jährliche Silberankäufe von bestimmter Höhe.

Die Entscheidung über die Öffnung der indischen Münzstätten wurdeder indischen Regierung anheimgegeben und die Diskussion der übrigenPunkte wurde bis zum Eintreffen der indischen Antwort verschoben.

Die indische Negierung sprach sich mit einer sehr ausführlichenBegründung gegen die Öffnung ihrer Münzstätten aus. Die Einstellungder Silberprägung habe ihren Zweck, die Rupie auf 16 ä zu befestigen,nahezu erreicht, es liege also in den indischen Verhältnissen kein Grund,diese Maßregel rückgängig zu machen. Ein auf Frankreich und dieVereinigten Staaten beschränkter Bimetallismus biete nicht die Sicherheitfür die dauernde Befestigung des Wertverhältnisses auf der erstrebtenHöhe. Ein Fehlschlag des Experiments werde die Lage Indiens außer-ordentlich verschlimmern. Zudem werde, nachdem sich die indischen Ver-hältnisse dem gesunkenen Silberwert und Rupienkurs anbequemt hätten,eine so plötzliche und starke Preissteigerung des Silbers für die gesamteindische Volkswirtschaft verhängnisvoll wirken.

Mit dieser Antwort war das Schicksal der Verhandlungen ent-schieden. Die amerikanische Mission kehrte unverrichteter Dinge nachHause zurück.

Man darf wohl annehmen, daß durch diese Haltung der englischenund der indischen Negierung die auf einen internationalen Bimetallismusgerichteten Bestrebungen für lange Zeit matt gesetzt sind, selbst wenn dieinternationalen Währungsverhältnisse in den letzten Jahren nicht er-heblich günstiger geworden wären.

Denn einer der wichtigsten, und jedenfalls der am meisten begründetewährungspolitische Beschwerdepnnkt war die Störung des internationalenHandels durch die Schwankungen der Silbervaluten; zu Unrecht wurdenauch die Schwankungen von Papiervaluten, wie der russischen undargentinischen, der Silberentwertung zur Last gelegt.