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Produktion und der Bewegung des Wertverhältuisses vorgekommen. Wirwerden uns weiter unten ausführlicher damit beschäftigen.
Das Wertverhältnis ist eben nicht nur von dem Verhältnis derGoldproduktion zur Silberproduktion abhängig, sondern neben diesemMoment und den übrigen Momenten des Angebots wird es beeinflußtdurch die Faktoren der Nachfrage, vor allem durch die monetäreNachfrage.
Wir haben die Verhältnisse erörtert, welche zu einer gesteigertenVerwendung des Goldes an Stelle des Silbers führen müsse«?. Wenndie allgemein-volkswirtschaftliche Entwickelung, oder wenn in bestimmten,besonders gearteten Fällen eigenartige Umstände eine größere Verwendungvon goldenen Zirkulationsmitteln wünschenswert erscheinen lassen, wenneine wesentliche Steigerung der Goldproduktion die Mittel zu einer Aus-dehnung der monetären Verwendung des Goldes liefert, dann wird dasGold als das nach Lage der Verhältnisse geeignetere Geldmetall in derZirkulation einen Teil des Raumes occnpieren, den bisher das Silberinne hatte. Es werden dadurch größere oder kleinere Silbermengcn über-flüssig gemacht. Wenn nicht besondere Umstände für dieses Silber eineneue Verwendung schaffen, dann kann die Wirkung der Alisdehnung desGebrauches von Goldgeld, welche ihrerseits wesentlich auf der Steigerungder Goldproduktion beruht, eine Verminderung des Silberwertes im Ver-hältnis zum Goldwert sein. Diese Wirkung wird namentlich dann ein-treten, wenn gleichzeitig mit der Beschränkung der Silberverwenduug eineSteigerung der Silberproduktion eintritt, wenn auch diese Steigerungnicht entfernt die gleichzeitige Steigeruug der Goldproduktion, die — soparadox es klingt — eigentliche Ursache der Silberentwertuug, erreicht.
Nach diesen Bemerkungen gehen wir zur Betrachtung der geschicht-lichen Entwickelung der Edelmetall-Gewinnung und -Verwendung und derGestaltung des Wertverhältnisses über.
Ein Blick über die Entwickelung der Edelmetall-Gewinnung seit derEntdeckung Amerikas läßt deutlich mehrere Perioden unterscheiden.
Die Goldgewinnung zeigt eine nur wenig unterbrochene allmählicheZunahme, bis in die ersten Jahrzehnte des 18. Jahrhunderts. Von1493-1520 bis 1701-1720 stieg sie von 5.800 auf 12.320im Jahresdurchschnitt. Sie verdoppelte sich also im Zeitraum von zweiJahrhunderten.
Helffsrich, Beiträge zur Geldreform. Z