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ausdehnte, hatten für das Gold keine oder nur geringe Verwendung.Zweifellos hat deshalb mit der Ausdehnung der Geldwirtschaft nach denunteren Schichten der Volkswirtschaft das Silber im Verhältnis zumGold an Bedeutung, Verwendbarkeit und an Raum innerhalb der Geld-zirkulation gewonnen. Es wurde ihm ein neues Gebiet erschlösse», aufwelchem es allein verwendbar war und die Konkurrenz des Goldes aufJahrhunderte hinaus nicht zu fürchten brauchte.
In diesen Verhältnissen liegt zweifellos die Erklärung dafür, daß inder Zeit von 1493—1520 bis 1580—1600, während die Goldgewinnungum etwa 30 °/v, die Silbergewinnung dagegen um 800"/« stieg, der Wertdes Goldes im Verhältnis zum Silber nur eine geringe Steigerung auf-weist, nämlich von 10,75 auf 11,80 :1.
Das 17. Jahrhundert zeigt uns ein anders geartetes Bild: einemäßig steigende Goldproduktion und eine abnehmende Silbergewinnuug.
Wäre ausschließlich die Gestaltung der Produktionsverhältnisse beiderMetalle ausschlaggebend für das Wertverhältnis, so müßte man auf einenRückgang des Goldwertes schließen.
Aber gerade das Umgekehrte trat ein: eine sehr erhebliche Steigerungdes Goldwertes im Verhältnis zum Silberwert. Während von 1581—1600 bis 1701-1720 die durchschnittliche Jahresproduktion von Goldvon 7.380 1?A auf 12,820 KZ stieg, die durchschnittliche Silberproduktiondagegen von 418.900 lcA auf 355.600 kz; sank, stieg das Wertverhältnisdes Goldes zum Silber von 11,80 auf 15,21 : 1.
Das war weitaus die schärfste Veränderung, welche das Wertver-hältnis der beiden Edelmetalle vom Beginn des Mittelalters bis zu denletzten drei Jahrzehnten erfuhr.
Diese Verschiebung des Wertverhältuisses, welche so vollständig imWiderspruch mit der Gestaltung der Produktionsverhältnisse beider Edel-metalle zu stehen scheint, hat schon früh Aufmerksamkeit aus sich gelenkt.
Man wollte sie anfangs durch die reiche Ausbeute der peruanischeilSilberminen erklären; aber diese Ausbeute fiel in die Zeit vor der starkenSilberentwertung.
Im Geiste der bimetallistischen Theorie, welche der Münzgesetzgebungden maßgebenden Einfluß auf das Wertverhältnis zwischen Gold undSilber zuschreibt, liegt die gleichfalls versuchte Erklärung: die relativeWertsteigerung des Goldes sei durch eine höhere Bewertung dieses Metallesseitens der Münzherren hervorgerufen worden.
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