Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Daß diese höhere Bewertung des Goldes im Laufe des 17. Jahr-hunderts allgemein Platz gegriffen hat, ist eine unbestreitbare Thatsache.Es fragt sich nur, ob sie durch ein Steigen des Goldwertes im freienVerkehr hervorgerufen worden ist, oder ob sie ihrerseits ein Steigen desGoldwertes im freien Verkehr hervorgerufen hat.

Da die Wertrelation, welche sich aus der Ausprägung und Tarifierungder Gold- und Silbermünzen ergiebt, für uns der wesentlichste Anhalts-punkt für das in jenen Zeiten bestehende Wertverhältnis ist, läßt sichnicht nachweisen, ob in den einzelnen konkreten Fällen zuerst das Wert-verhältnis im freien Verkehr gestiegen und dann die Wertrelation zwischenGold- und Silbermünzen geändert worden ist, oder umgekehrt.

Für einen Kenner der Münzverhältnisse jener Zeit kann es jedochnicht zweifelhaft sein, was Ursache und was Wirkung war. Die Tari-fierungen von Gold- und Silbermünzen vermochten damals kaum dengegenseitigen Wert des gemünzten Geldes für kurze Zeit zu bestimmen,geschweige denn eine dauernde Wirkung auf das Wertverhältnis derbeiden ungeprägten Metalle hervorzubringen. Es war auch nicht die Ab-sicht dieser Tarifierungen, das Wertverhältnis zwischen Gold und Silberzu beherrschen, sondern nur das im freien Verkehr bestehende Wertver-hältnis richtig zu treffen. Die Änderungen der offiziellen Tarifierungenwurden zumeist hervorgerufen dadurch, daß sich der Verkehr nicht mehran die bisherigen Tarifierungen kehrte.

Wenn also in den amtlichen Tarifierungen des 17. Jahrhundertseine fortgesetzt höhere Bewertung des Goldes zum Ausdruck kam, sohaben wir darin nicht die Ursache, sondern die Wirkung der höherenBewertung des Goldes im freien Verkehr zu sehen.

Die Ursachen der höheren Bewertung des Goldes im freien Verkehrmüssen ihrerseits, da sie weder in der Gestaltung der Produktionsverhält-nisse noch in dem beherrschenden Einfluß einer Münzgesetzgebung zu findensind, in einer Verschiebung der Nachfrageverhältnisse beruhen.

Dementsprechend hat Soetbeer die relative Wertsteigerung des Goldesdurch eine Zunahme des Goldgebrauches sowohl indem wachsen-den internationalen Verkehr als auch im Jnlandsverkehr erklärt. Diestärkere monetäre Verwendung des Goldes im Inland wurde, wenigstenssoweit Deutschland in Betracht kommt, in der ersten Hälfte des 17. Jahr-hunderts nicht durch eine günstige wirtschaftliche Entwickelung, fonderndurch den dreißigjährigen Krieg verursacht. In unsicheren Zeiten, wonicht der Umsatz, sondern der leichte und sichere Transport, die sichere