Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Nachfrage nach Silber für Indien gesellte, eine Thatsache, welche diegeringe Entwertung, welche das Gold im Verhältnis zum Silber erfuhr,noch erstaunlicher macht.

Die Erklärung beruht, wie allgemein bekannt ist, einzig und alleindarin, daß sowohl Nordamerika , wie insbesondere die Staaten derfranzösischen Doppelwährung, welch' letztere bisher einen fastausschließlichen Silberumlauf hatten, dem neuproduzierteu Golde einbreites Aufnahmefeld boten, und daß sie gegen das ihnen zufließende Goldihren bisherigen Silbervorrat zur Verfügung stellten.

Zur Verhinderung einer stärkeren Verschiebung des Wertverhältnissestrug serner wesentlich der Umstand bei, daß die Doppelwährungsländerihr Silber zu einem von der gesetzlichen Wertrelation nicht erheblich ab-weichenden Goldwerte freigaben. Daß sie das thaten, lag daran, daß eingewaltsames Festhalten der zunächst abfließenden Silbermengen, welchesdnrch eine starke Steigerung des Silberagios in Frankreich und den anderenDoppelwährungsstaaten möglich gewesen wäre, durch die Bedürfnisse desGeldverkehrs nicht geboten und notwendig erschien.

Bei den Vereinigten Staaten von Nordamerika war derProzeß des Austausches von Silber gegen Gold bereits im Jahre 1834durch die Änderung der gesetzlichen Wertrelation freiwillig herbeigeführtworden. Der für das Gold sehr günstige Stand des Wertverhältnisseshat aber ohne Zweifel ein rasches Fortschreiten dieses Ausgleichprozesseshintangehalten, so daß er beim Beginn der Goldfunde wohl kaum voll-ständig beendigt war.

Bei den Staaten der französischen Doppelwährung be-gann dieser Prozeß von selbst infolge der automatischen Wirkung desbimetallistischen Systems, sobald der Wert des Goldes durch die vermehrteProduktion unter den Wert von 15^/2 Pfund Silber hinabgedrückt war.Wie vorher Nordamerika , so hörten nunmehr diese Staaten auf, Silberan sich zu ziehen; das war eine Verminderung der Silbernachsrage.Während sie vorher nur wenig Gold zu Geldzwecken benutzt hatten, ließensie nun das Gold in breiten Strömen in ihre Zirkulation fließen; daswar eine Steigerung der Goldnachfrage. Gegen das ihnen zufließendeGold gaben sie einen großen Teil ihrer bisherigen Silberzirkulation frei;das war eine Vermehrung des Silberangebots.

Das automatische Eintreten dieses Prozesses, welcher in allen Puukteneine Gegenwirkung gegen die gesteigerte Goldgewinnung und den ge-steigerten indischen Silberbedarf bedeutete, wurde darüber kann kein