Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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neu produziert, während in den 3V? Jahrhunderten seit der EntdeckungAmerikas im ganzen nur etwa 4 Millionen Kilogramm gewonnenworden waren.

Auch die Silbergewinnuug wies seit dem Jahrzehnt 18211830eine stetige und an sich beträchtliche Zunahme aus, die aber im Vergleichmit der gewaltigen Zunahme der Goldproduktion nichts bedeutete.

So stieg der Anteil des Goldes an der Edelmetall-Produktion, derim ersten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts nur 1,9 °/o gewesen war, aufmehr als 18°/° in dem Jahrzehnt 18511860.

Es ist eine der auffallendsten und bekanntesten Erscheinungen derWährungsgeschichte, daß diese enorme Verschiebung der Produktionsver-hältnisse keine auch nur entfernt mit ihr vergleichbare Verschiebung desWertverhältnisses zwischen Gold und Silber hervorgebracht hat, eineThatsache, welche noch mehr hervortritt dadurch, daß etwa zwei Jahr-zehnte nach dieser enormen Steigerung der Goldproduktion, als die bisherals normal geltenden Verhältnisse der Edelmetall-Produktion zurückzukehrenanfingen, die gewaltige Entwertung nicht des Goldes, sondern des Silberseintrat, über deren Ursachen nnd Wirkungen seither unendlich viel gedacht,unendlich viel mehr geschrieben und gestritten worden ist, und deren Be-seitigung von großen wissenschaftlichen Kreisen und mächtigeil wirtschaft-lichen Interessengruppen als ein mit allen Mitteln zu erstrebendes Zielangesehen wird.

Der Silberpreis in London , dessen tiefster Punkt in den Jahrzehntenvor den kalifornischen Goldsunden gerade im Jahre 1848, als diese Gold-funde begannen, mit 53^2 ä erreicht wurde, begann langsam zu steigenund erreichte im Jahre 1869 seinen Höhepunkt mit 62^/4 cl. Das be-deutete eine Veränderung des Wertverhältnisses zwischen Gold nnd Silbervon 16,12 : 1 auf 15,03 : 1. Dieses Maximum der Veränderung derWertrelation betrug in Verhältniszahlen ausgedrückt etwas über 7 °/o.

Immerhin war das eine Erschütterung des Wertverhältnisses, wie siefeit dem 17. Jahrhundert innerhalb einer ähnlich kurzen Zeit nicht ge-sehen worden war. Aber trotzdem war sie im Verhältnis zu den plötzlichvöllig veränderten Produktionsverhältnissen von Gold und Silber er-staunlich gering.

Die Ursache für die geringe Verschiebung des Wertverhältnisses istauf dem Gebiete der Nachfrage zu suchen.

Da ist es zunächst auffallend, daß sich zu dem enormen Mehrangebotvon Gold in den 50er Jahren eine außerordentliche Steigerung der