Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
137
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VI.

Die internationale Stellung des deutschen Geldwesensvor der Mnnzresorm.

Die internationale Stellung eines Geldwesens wird im wesentlichenbedingt durch die juristische Verfassung des Geldsustems, durch die that-sächliche Beschaffenheit des Geldumlaufs und durch die Zahlungsbilanzdes betreffenden Landes. Letztere beruht ihrerseits auf der Wareneinfuhr-und -aussuhr und auf dem Schuldverhältnis zum Auslande.

Ihren Ausdruck findet die internationale Stellung eines Geldwesensnamentlich in der Gestaltung der ausländischen Wechselkurse und in demZufluß oder Abfluß von Edelmetall.

Das deutsche Geldwesen beruhte auf der Silberwährung. EinPfund Feinsilber wurde in 30 Thaler bezw. in 52Gulden ausgebracht.Die Münzstätten kauften, ohne durch eine gesetzliche Bestimmung dazuverpflichtet zu sein, Silberbarren stets und in jeder ihnen angebotenenMenge zu innerhalb enger Grenzen veränderlichen Preisen, welche demAusmünzungswert des Silbers abzüglich der Prägekosten ungefähr ent-sprachen.

Die thatsächliche Beschaffenheit des deutscheu Geldwesens haben wirim vorigen Abschnitt kennen gelernt: Ein überwiegender Umlauf vonSilberkurantmüuzen, welche zum größten Teil nur unerheblich abgenutztwaren; ein verhältnismäßig geringer Umlanf von unterwertig aus-geprägten Scheidemünzen; dagegen eine starke Zirkulation metallisch nichtgedeckter Staatspapierscheine und Banknoten. Daneben in etwas lockeremZusammenhang mit dem eigentlichen Kern des Umlaufs ein nicht sehr hoherBetrag deutscher Landesgoldmünzen und fremder Gold- und Silbermünzen.

Obwohl diese Beschaffenheit des deutschen Geldwesens nicht in allenPunkten einwandsfrei war, gab sie doch einige Garantie dafür, daß