Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
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im allgemeinen eine gewisse stetige Entwickelung ausweist, bringen dielandwirtschaftlichen Erzengnisse in den Außenhandel große Schwankungen'.

Man wird deshalb mit der Annahme nicht fehlgehen, daß dieSchwaukungeu der deutschen Getreideausfuhr eiuen starken Einfluß aufdie Gestaltung der deutschen Zahlnngsbilanz ausgeübt habeu, einen Ein-fluß, der wohl bestimmend für die Zahluugsbilauz gewesen sein dürste,solange nicht andere Faktoren von großer Bedeutung mitsprachen.

Vor allem kam natürlich die Getreideansfnhr nach England in Be-tracht, das zugleich unser wichtigstes Absatzlaud für Getreide und derMittelpunkt des Geld- und Edelmetallverkehrs der Erde war.

In der That zeigt das Jahr 1854, das Jahr des Krimkrieges,welcher ^die Blockade der russischen Häfen und den Erlaß eines Getreide-ausfuhrverbotes in Rußland zur Folge hatte, für Deutschland außer-ordentlich günstige Wechselkurse, während die beiden vorhergehenden Jahrefür Deutschland ungünstig waren. Offenbar liegt hier ein ursächlicherZusammenhang vor. Die exportierende deutsche Landwirtschaft war vonder russischen Koukurrenz befreit; wenn sie deshalb in Anbetracht derungünstigen Ernte quantitativ nicht viel mehr Getreide exportierenkonnte, als sie ohne diese Ereignisse hätte exportieren können, so konntesie doch zn wesentlich besseren Preisen exportieren; denn die Weizenpreisein Preußeu stiegen von 53,1 Silbergroschen für den Scheffel im Jahre1850 auf 108,5 Silbergroschen im Jahre 1854. Unter diesen Verhält-nissen bedeutete eine der Menge nach gleichbleibende Getreideausfuhr eineeuorme Steigerung des Ausfuhrwertes, und nur dieser kommt für dieZahlungsbilanz in Betracht.

Von der Mitte der fünfziger Jahre ab wurde Deutschland in denKreis der Ereignisse gezogen, welche damals die Währungsverhältnissein einein großen Teil Europas binnen weniger Jahre gänzlich umgestalteten.

Ans die gewaltige Vermehrung des Goldvorrates durch die kalifor-nischen und australischen Goldfuude folgte von 1855 ab das unerhörteAnwachsen des Silberbedarfs für Jndieu. Vou 22 Millionen Rupien

' Die russische Ausfuhr der Jahre 18911893 ist dafür ein schlagendes Beispiel.^ betrug z,.,^ Rubel Rubel

die Gesamtausfuhr Rußlands 1891: 700.471.000: 1892: 471.177.000: 1893: S94.68S.000;die Cercalienausfuhr 1891: 413.S39.000; 1892: 199.248.000; 1893: 332.287.000.

Die Gesamtausfuhr abzüg-lich der Cercalienausfuhr 1891: 286 932.000; 1892- 271.929.000; 1893: 262.398.000.Helfferich, Beiträge zur Geldreform. 10