Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
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sich höher gestellt hätte, als auf 1 F, und damit der Preis der UnzeStandard höher als auf 60^8 6.

Dagegen war die Möglichkeit einer gewinnbringenden Versendungvon Barrensilber nicht ausgeschlossen.

Der Preis, welchen die Berliner Münze damals (seit 1858) für dasPfund Silber zahlte, war 29 Thaler 21 Silbergroschen, also um 1 °/oweniger als dem Ausmünzungswert entsprach. Bis auf diesen Preis konntealso der Kurs des Silbers in Berlin sinken. Für 6 Thaler 24V« Silber-groschen konnte man also unter Umständen mehr Silber erhalten, als ihremgesetzlichen Feingehalt entsprach, und zwar im günstigsten Fall 1 °/o mehr.

In diesem Fall konnte man mit einem Pfund Sterling um 1 °/°mehr ungeprägtes Silber als Silber in Form deutscher Münzen kaufen.Die Versendung von Barrensilber nach London war dann bereits lohnend,wenn der Wechselkurs noch um 1 °/o ca. 2 Silbergroschen) unter demAusfuhrpunkt für Silbergeld staud. Da der Ausfuhrpunkt für Silber-geld damals etwa °/4 °/o oder IV2 Silbergroschen über der jeweiligenParität stand, war also die Möglichkeit vorhanden, Silberbarren bereitsbei einem um ^4 °/o oder '/s Silbergroschen unter der Parität stehenden,also für Deutschland günstigen Kurse auszuführen.

In diesem Verhältnis dürfte die Erklärung für die Silberausfnhrbei überwiegend günstigem Stande der Wechselkurse liegen.

Das Zusammenfallen von Edelmetallimport und ungünstigen Wechsel-kursen in den Jahren 1865 und 1866, hat seinen Gruud augenscheinlichdarin, daß die Preußische Bank in diesen beiden Jahren, trotz des un-günstigen Standes der Wechselkurse, aus bankpolitischen Gründen größerePosten Silber in London ankaufte (1865 für 10Vs, 1866 für 44 MillionenThaler ).

Wir wenden uns nun zur Untersuchung derjenigen Faktoren, aufwelchen die Schwankungen der deutschen Zahlungsbilanz beruhten.

Um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts exportierte Deutschlaudhauptsächlich landwirtschaftliche Erzeugnisse. Seine Einfuhr bestand ausFabrikaten, Halbfabrikaten und Rohstoffen für die noch wenig entwickelteheimische Industrie.

Kein Teil des auswärtigen Handels ist von Jahr zu Jahr so großenSchwankungen unterworfen, wie die Ausfuhr landwirtschaftlicher Erzeug-nisse. Dieser Teil der Aussuhr häugt ganz und gar ab vom Ernte-ausfall. Während der auswärtige Handel mit industriellen Produkten