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Man muß sich nun zunächst darüber klar werden, auf welchem WegeEngland Silber aus Deutschland ziehen konnte.
Die Verhältnisse lagen hier wesentlich anders als bei den Doppel-währungsländern. Bei diesen tauschte man das Silber einfach gegenGold ein. Bei dem Silberwähruugslaude Deutschland dagegen wardieser einfache Weg unmöglich, denn Gold konnte in Deutschland nicht,wie in Frankreich , ohne weiteres in Landesgeld verwandelt werden.
Eine kleine Einschränkung ist allerdings hier angebracht.
Wir wissen, daß, trotz der dem Golde ausgesprochen feindlichendeutschen Münzgesetzgebuug in den letzten Jahren vor der Münzreformneben den deutschen Goldmünzen erhebliche Mengen fremder Goldmünzenin Deutschlaud umliefen; ja, daß sogar einige dieser Goldmünzen, sonamentlich die Napoleons , zu den deutscheu Landessilbermünzen in manchenLandesteilen und Verkehrsschichten in einem gewissen traditionellen Wert-verhältnis standen.
Dadurch war, aber uur in sehr beschränktem Umfang, anch beiDeutschland ein ähnlicher Austausch vou Gold gegen Silber möglich.
Wie gering diese Möglichkeit war, zeigen folgende Wahrnehmungen:
Frankreich führte in jener Zeit beträchtliche Mengen Gold ausDeutschland ein, statt Gold an Deutschland abzugeben. Dieses Goldstammte, wie Arendt nachgewiesen hat, aus Rußland, so daß Deutsch-land nur als Transitland zu betrachten ist.
Englands Edelmetnllstatistik weist gleichfalls im ganzen keinen über-wiegenden Goldexport »ach Deutschland auf, die Exporte und Importeder einzelnen Jahre gleichen sich vielmehr fast genau aus. Was dieeinzelnen Jahre anlangt, so weist nur das Jahr 1863 einen starken Gold-export nach Deutschland bei einem gleichzeitigen Silberimport aus Deutsch-land ans. 1859 ist der Goldexport bei gleichzeitigen: Silberexport nurgering. In keinen: der übrigen Jahre traf ein Goldexport nach Deutsch-land mit einem Silberimport aus Deutschland zusammen.
Diese Thatsache beweist, daß ein Herausziehen von Silber ausDeutschland im Wege des Austauschs gegen Gold nicht in großem Um-fang stattgefunden haben kann.
Es fragt sich nun, welche andern Mittel England hatte, um deutschesSilber für seine Zwecke flüssig zu machen.
Eine Metallgeld-Entziehung' im großen Stil durch die private Arbi-
! Im Gegensatz zu einem Austausch vou Silbergeld gegen Goldgeld.
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