Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
150
Einzelbild herunterladen
 

150

lichen Steigerung der indischen Silbereinsuhr für Deutschland ungünstigeWechselkurse auf, welche auf Silberexporte nach England schließen lassen.Die Überspekulation der Jahre 1856 uud 1857, welche in der Krisis von1857 ihr Ende fand, hat zweifellos viel dazu beigetragen, die Übertragungvon Wertpapieren nach Deutschland zu erleichtern und so die englischenForderungen auf Deutschland zu vermehren, während auf der anderenSeite der Friedensschluß und eine günstige Ernte Rußlaud wieder be-fähigten, mit dem deutschen Getreide auf dem englischen Markt zu kon-kurrieren und so die deutschen Forderungen auf England zu beschränken.

Das Jahr 1858 brachte eine Abnahme des indischen Silberbedarfsund einen leichten Rückgang des Silberpreises. Der Wechselkurs warfür Deutschland außerordentlich günstig. Immerhin war die indischeSilbereinfuhr auch in diesem Jahre im Vergleich mit der Zeit vor 1855sehr hoch, so daß der für Deutschland so sehr günstige Stand des Wechsel-kurses in der relativen Abnahme des indischen Silberbedarfes keine ge-nügende Erklärung findet.

Im folgenden Jahre, 1859, stieg der indische Silberbedarf abermalserheblich. Welcher Silbermangel auf dem Londoner Markt bestand, gehtdaraus hervor, daß der durchschnittliche Silberpreis in diesem Jahre62Vis ä war, höher als der Durchschnitt irgend eines andere«: Jahresdieser interessanten Periode. Trotzdem blieben die Wechselkurse fürDeutschland überwiegend günstig, wenn sie auch gegen das Vorjahr einedeutliche Veränderung zu Unguusten Deutschlands aufwiesen.

Das Jahr 1860 brachte eine starke Verminderung der indischenSilbereinfuhr und damit einen Rückgang des Silberpreises und aber-mals für Deutschland ganz außerordentlich günstige Wechselkurse.

Wir sehen also, daß in dieser ersten Periode des indischen Silber-bedarfs die indische Silbereinfuhr, der Londoner Silberpreis und diedeutsch -englischen Wechselkurse im allgemeinen parallel gehen, daß abernur in den Jahren 1856 und 1857 die Wechselkurse auf England sichfür Deutschland ungünstig stellten, während sie im Jahre 1859, demJahre des höchsten Silberpreises und einer gewaltigen Silberausfuhr nachIndien, zwar ungünstiger waren, als 1858 und 1860, aber sich immerhinfür Deutschland günstig stellten.

Es ist also anzunehmen und die englische Statistik bestätigt dieseAnnahme, daß in den Jahren 1858 und 1859 England trotz desdringenden Silberbedarfs keine wesentlichen Silbermengen aus Deutsch-land ziehen konnte.