Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Verhältnisse um die Mitte der fünfziger Jahre bedeutend verschoben.Frankreich hatte die große Masse seines verfügbaren Silbers abgegeben.Den Rest, welcher ihm geblieben war, hielt es, wie die geringen Ziffernder Silberaussuhr' und das durchweg hohe Silberagio ^ zeigt, mit Zähig-keit fest. Vou 1861 ab erreichte die Silbermehrausfuhr in keinem Jahreden Wert von 100 Millionen Fr., und das Silberagio erreichte im Jahre1864 feineu höchsten Punkt mit 38 Promillen.

England war also zur Deckung seiues Silberbedarfs mehr als bisherauf Deutschland angewiesen^.

Zunächst blieb, als sich der indische Silberbedarf im Jahre 1861wieder zu heben anfing, ein wesentlicher Bezug vou Silber aus Deutsch-land unmöglich, weil infolge des englischen Lebensmittelbedarfs dieHandelsbilanz zu sehr zu Gunsten Deutschlands stand.

Dagegen führte im Jahre 1862 die Abnahme der Getreideausfuhr,verbunden mit der starken Beteiligung Deutschlands an der in England aufgelegten russischen Anleihe uud der Aufnahme auderer fremder Effekten,zu einer Veränderung der deutschen Zahlungsbilanz, welche den durch-schnittlichen Wechselkurs auf einen indifferenten Punkt reduzierte.

Aber bereits das Jahr 1863 zeigt, trotz der abermals außerordentlichhohen indischen Silbereinfuhr, für Deutschland günstigere Kurse. DieUrsache war offenbar, daß die unsichere politische Lage die Börsen veran-laßte, eine zurückhaltende Stellung einzunehmen. Die Transaktionender Fondsarbitrage, welche im Jahre zuvor die Zahlungsbilanz zu Un-gunsten Deutschlands verschoben hatten, kamen dadurch ins Stocken.

Wenn das Jahr 1862 mit verhältnismäßig indifferentem Wechsel-kurs eine beträchtliche Silberausfuhr nach England aufweist (nach derder englischen Statistik 1.259.896 Pfund Sterling), so kann es sich hiernur um die Ausfuhr von Silberbarren, nicht aber um die Ausfuhr ge-prägter Silbermünzen oder um deren Einschmelzung zum Zweck der Aus-fuhr gehandelt haben. Ähnlich verhält es sich mit der geringeren Silber-ausfuhr des Jahres 1863.

Der Thalerkurs iu Hamburg zeigt nämlich, daß in dieseu beidenJahren die geprägten Thaler durchschnittlich höher standen, als ihr gesetz-licher Silbergehalt. Ihre Einschmelzung hätte also, ganz abgesehen von

- Tabelle S. S4 u. S6.^ Tabelle S. 2S.

2 V.'l'gl, zum Folgenden Arendt a. a. O. S. 36 ff.