Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
233
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I.

Die Geldbeschaffung.

Die wichtigsten der zur Durchführung der Münzreform notwendigenOperationen waren die Beschaffung des zur Herstellung des erstrebtenGoldumlaufs notwendigen Goldes und die Verwertung des aus demUmlauf zu beseitigenden Silbers.

Wir beschäftigen uns zunächst mit der Goldbeschaffung.

Für die Versorgung der Münzstätten mit Prägegold standen derReichsregieruug verschiedene Wege offen.

Sie konnte sich darauf beschränken, die Münzen anzuweisen, dasihnen von Privaten gebrachte Gold gegen eine bestimmte Prägegebühr inReichsgoldmünzen auszuprägen, während sie ihrerseits nur das mehr oderweniger ohne ihr Zuthun in ihren Besitz gelangende Gold, z. B. dieeinzuziehenden Landesgoldmünzen und den in effektivem Gold eingehendenTeil der französischen Kontribution, auf Rechnung des Reichs hätte aus-prägen lassen.

Sie konnte ferner die Beschaffung des nach ihrer Ansicht notwendigenQuantums von Prägegold einem großen Bankinstitut, z.B. der PreußischenBank , übertragen und diesem Institut dabei völlig freie Hand lassen.

Sie konnte schließlich die Goldbeschaffung völlig in die eigene Hand nehmen.

Der letztere Weg wurde gewählt.

Bis zum Jahre 1875, in welchem durch eine Bekanntmachung desReichskanzlers vom 8. Juni in Gemäßheit der Bestimmung in Art. 12des Münzgesetzes die Goldprägung für Private freigegeben wurde, ist dasgesamte Prägegold den Münzstätten ausschließlich vou der Reichsregierunggeliefert worden.

Für die Golbeschaffung standen der Reichsregierung folgende Mittelzur Verfügung:

1. die Einziehung der Landesgoldmünzen,

2. die Eingänge der französischen Kriegskosten-Entschädigung,