Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
249
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II.

Die Goldankäufe der Reichsregierung und der inter-nationale Geldmarkt.

Zu der Zeit, als das Deutsche Reich an die Reform des Geldwesensherantrat, war das Gold bereits das weitaus vorwiegende Umlaufsmittelbei den wichtigsten Völkern. Die zur Durchführung des deutschenWährungswechsels notwendige Goldbeschaffung mußte deshalb notwendiger-weise eine starke Wirkung auf den gesamten internationalen Geldmarktausüben.

Bevor wir uns mit diesen Wirkungen beschäftigen, müssen wir miteinigen Worten auf das Wesen uud die Verfassung desinter-nationalen Geldmarktes" eingehen.

Ein internationaler Geldmarkt im modernen Sinne des Wortesbestand seit der gewaltigen Ausdehnung des Welthandels, und seitdemdie Möglichkeit einer leichten und fast kostenlosen Übertragung von Geldaus einem Land in andere Länder gegeben war.

Die Voraussetzungen dieser Möglichkeit waren folgende:

1. Die Beseitigung aller den internationalen Edelmetall-Verkehrhemmenden Schranken, namentlich der Ausfuhr-Verbote für gemünztes undungemünztes Gold und Silber.

2. Die Möglichkeit, vermittelst gesetzlich oder thatsächlich freierPrägung das eine oder das andere oder beide Edelmetalle gegen einegeringe Gebühr in Geld verwandeln zu können.

3. Die Ausbildung der internationalen Arbitrage, desjenigen Ge-schäftszweiges des Bankwesens, welcher sich die Übertragung von Zahlungs-mitteln und Wertpapieren aus einem Land in das andere zur besonderenAufgabe gemacht und durch seine fortschreitende Vervollkommnung dieseÜbertragungen immer mehr vereinfacht und verbilligt hat.