Teil eines Werkes 
2 (1898) Beiträge zur Geschichte der deutschen Geldreform / von Karl Helfferich
Entstehung
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Solange sich die Verwendung von Silber und Gold im Geldwesender Kulturwelt einigermaßen die Wage hielt, erschien der internationaleGeldmarkt in zwei verhältnismäßig selbständige Märkte geteilt.

Die Vermittlungsstelle zwischen beiden Märkten war der Markt, aufwelchem der Austausch der beiden Edelmetalle gegeneinander erfolgte.

Eine Geldnachfrage für Silberwährungsländer wirkte unmittelbarnur auf den Geldmarkt der übrigen Silberwährungsländer. Trat einesolche Nachfrage in Goldwährungsländern aus, so konnte nicht ohne weitereseine Übertragung von Zahlungsmitteln dieses Landes nach dem Silber-land erfolgen, sondern die Arbitrageure des Goldlandes mußten ihrGoldgeld erst gegen Silber austauschen.

Die Nachfrage nach Zahlungsmitteln für ein Silberwährungslandbedeutete also für ein Goldwährungsland nur eine Nachfrage nachdem Metall Silber; sie wirkte unmittelbar nicht auf den Geldmarkt unddie Zinssätze ein, sondern aus den Silberpreis und damit auf das Wert-verhältnis der beiden Edelmetalle-

Freilich konnten mittelbar die zur Beschaffung des von dem Gold-währungsland verlangten Silbers notwendigen Operationen aus denGeldmarkt des Goldwährungslandes einen starken Einfluß ausüben.

Die thatsächlichen Verhältnisse liegen nun so, daß London seit mehrals einem Jahrhundert der Mittelpunkt des internationalen Geld- undEdelmetallmarktes ist.'

Die frühzeitige Entwickelung des englischen Handels, seine altenBeziehungen zu allen wichtigen Staaten und namentlich auch zu denwichtigsten Edelmetall-Produktions-Ländern, der große englische Kolonial-besitz, das alles wirkte zusammen, um das neu gewonnene Gold und Silberzunächst nach London zu leiten.

Dieselben Verhältnisse machten das englische Geld allenthalben zueinem bekannten und im großen Verkehr stets verwendbaren Zahlungs-mittel.

Niemals war der internationale Warenhandel, die Grundlage desinternationalen Geldverkehrs, in ähnlichem Umfang in den Händen derenglischen Kaufleute konzentriert, wie der Geld- und Edelmetallhandel inden Händen seiner Banquiers. Der Grund liegt darin, daß ein Waren-geschäft für den Kaufmann einen ungleich größeren Gewinn abwirft, alsdie durch dasselbe notwendig gemachte Zahlungsausgleichung für den

' Siehe Teil I, Abschnitt III S. 68 ff.